Gestrandet in West Virginia

08. Mai 2016

Von Huntington aus erreichen wir Gallipolis, das uns mit seinen älteren Gebäuden gut gefällt. Außerdem gibt es hier den ersten Aldi seit langem, und so können wir uns mit deutschen "Köstlichkeiten" wie Schwarzbrot, Schokolade, Keksen eindecken. Auf der weiteren Fahrt führt uns unsere gewählte Route mehrfach nach West Virginia und Ohio und zurück.


Im Wayne National Forest können wir auf einem kleinen Campground kostenlos übernachten, bevor es weiter in Richtung Nordosten geht.

Wir haben gerade die "Grenze" zu Pennsylvania überfahren, da gibt es in einer längeren Steigung plötzlich zwei knallähnliche Geräusche. Der MAN ruckt, wir schaffen es so gerade noch, die Interstate zu verlassen und im kleinen Ort West Alexander auf den Parkplatz der Gemeindeverwaltung zu fahren. Nach dem Aussteigen entdecken wir das Malheur - aus dem Getriebe läuft das Öl nur so heraus.


Da geht nichts mehr. Ein Abschleppwagen muss her. Dieser schleppt uns nach telefonischen Nachfragen zurück nach West Virginia zu einer Peterbilt Werkstatt, Hunter Truck Sales and Service. Hier baut man noch am gleichen Tag das Getriebe aus. Die magnetische Öl-Ablassschraube sitzt voll mit Metallspänen, das Öl, das herausläuft, ist regelrecht grau. Da hat es wohl innen im Getriebe einiges zerlegt.


Die erste Nacht verbringen wir auf dem Werkstatthof, aber danach ziehen wir in ein Hotel, das direkt oberhalb der Werkstatt liegt. Wir brauchen dringend funktionierendes Internet - unser ansonsten gut arbeitender Router geht gerade hier so gut wie gar nicht. Außerdem ist abzusehen, dass das Ganze dauern wird. Von hier oben können wir immer mal einen Blick auf den Großen Wagen werfen. Immer wieder stehen wir in der Nacht auf, um mit Deutschland Kontakt aufnehmen zu können.

Alle Versuche, eine Firma hier in USA zu finden, die das Getriebe reparieren kann, schlagen fehl. ZF, Hersteller unseres Getriebes, die auch hier in Amerika vertreten sind, nennen auf Anfrage zwar eine Firma, die es könnte, aber die meinen direkt, es würde Wochen dauern, und ob man wirklich alle Teile hätte sei fraglich. Das kommt also nicht in Frage. Auch ein Tauschgetriebe ist nicht aufzutreiben. Also muss eins aus Deutschland her. Aber mittlerweile ist Wochenende, also heißt es abwarten. Wir haben uns einen Mietwagen besorgt, um nicht nur im Hotel herumzusitzen. Und so fahren wir am Sonntag erst einmal nach Pittsburgh. Von der Stadt sind wir positiv überrascht. Die ehemalige Stahl-Hochburg hat sich zum Positiven entwickelt. Sie gefällt uns ausgesprochen gut. Wir haben keine so saubere Stadt mit vielen schönen Brücken erwartet.


In einem Villenviertel liegt die Universität von Pittsburgh Besonders faszinierend finden wir die Kathedrale des Lernens der Universität Pittsburgh. Das zweithöchste Universitätsgebäude der Welt ist 163 m hoch. Selbst heute am Sonntag wird heftig gelernt und gearbeitet, allerdings auch gefeiert.


Am Anfang der Woche dann eine positive Nachricht - ein Freund hat ein aufgearbeitetes Getriebe bei der Firma MNS aufgetan. Dieses wird dank der Bemühungen der Firma am Dienstag mit UPS Express verschickt, soll eigentlich bis Donnerstagabend bei uns vor Ort sein. Aber die Betonung liegt auf soll. Denn ab jetzt läuft einiges schief. Zunächst wird das Teil anscheinend bei einem Sicherheitscheck am Flughafen festgehalten, soll nun nach Tracking am Freitag ankommen. Aber dann gibt es den Streik des Öffentlichen Dienstes, der auch den Frachtbereich des Köln-Bonn-Flughafen für 24 Stunden lahmlegt. Letztendlich wird das Getriebe dann später mit einem Truck nach Amsterdam gebracht und mit KLM nach New York geflogen. Von dort geht es weiter nach Pittsburgh, wo wir persönlich beim Zoll erscheinen müssen, um eine Freigabe zu erreichen. Aber das wird nicht vor Anfang der nächsten Woche der Fall sein.

Die Wartezeit versuchen wir uns zu verkürzen. Wir bummeln ausgiebig durch Cabela's - ein sogenannter Outfitter. Das große Sportgeschäft (Jagd, Angeln, Camping, Outdoor etc.) unterscheidet sich deutlich von anderen, die wir bisher hier kennengelernt haben. In Europa ist uns nichts Vergleichbares bekannt.

Abends bestellen wir uns Pizza, können den Fortgang der Bestellung sogar online verfolgen - Pete der Pizzamacher informiert uns beispielsweise, wann die Pizzen in den Ofen gelangen und auch sobald die Lieferung unterwegs ist. Auch das Angebot eines Chinesen findet Anklang bei uns.


In Wheeling besuchen wir den Centre Market, essen leckeren Fisch und Shrimps. Die liebevoll bemalten Parkuhren rund um das Marktgebäude herum machen die (übrigens preiswerte) Gebühr fürs Parken direkt viel angenehmer. Die Hängebrücke war in der Mitte des 19. Jahrhunderts die längste Hängebrücke der Welt. Sie ist immer noch in Betrieb, mehrfach überqueren wir den Ohio auf ihr.


Wir fahren einfach durch die Gegend, entdecken hübsche kleine Kirchen. Wir besuchen New Vrindaban, Land of Krishna. Der Palace of Gold wird zwar gerade restauriert, aber die Anlage ist durchaus eindrucksvoll.


In Moundsville gibt es ein großes altes Gefängnis. Besuchen können wir es nicht, da gerade eine Übung von Polizei usw. unter realistischen Bedingungen stattfindet. Gegenüber befindet sich der Grave Creek Mound, ein Grabhügel mit imposanten Ausmaßen, der bestiegen werden kann.

Außerdem fahren wir beim Oglebay Resort vorbei, das uns alle so ans Herz gelegt haben. Aber so wirklich überzeugt uns die parkähnliche Anlage nicht, haben wir es doch lieber mit Natur pur zu tun.


Am Montag machen wir uns dann auf den Weg nach Pittsburgh. Mit Hilfe einer UPS-Mitarbeiterin erhalten wir die Freigabe für unser Getriebe, und das, obwohl die Computeranlage beim Zoll ausgefallen ist. Die Werkstatt hat einen Pickup geschickt, so dass wir das gute Stück direkt mitnehmen können. In der Werkstatt wird dann sofort mit dem Einbau begonnen. Das sieht doch alles ganz gut aus. Aber dann taucht das nächste Problem auf. Die Kupplung lässt sich nicht entlüften. Bis zum Abend wird alles Mögliche versucht, leider ohne Erfolg. Also eine weitere Nacht im Hotel.

Am nächsten Morgen geht es dann weiter. Man hat einen anderen Mechaniker dazu geholt, dieser baut eine Vorrichtung, mit der sich dann unsere Anlage endlich entlüften lässt. Eine Probefahrt verläuft gut. Wir checken im Hotel aus, begleichen unsere Werkstattrechnung. Dann fahren wir mit Mietwagen und dem Großen Wagen los, um das Leihfahrzeug abzugeben. Unterwegs fällt auf, dass beim MAN kein Bremslicht funktioniert. Also werden wir noch einmal zurück in die Werkstatt fahren. An einer Steigung dann Kupplungsprobleme, die Kupplung rutscht. Also wird in der Werkstatt noch einmal entlüftet. Für die fehlenden Bremslichter gibt es trotz Suche zunächst keine Lösung. Wir unternehmen eine längere weitere Probefahrt. Aber leider wird das Problem immer schlimmer. Zurück zur Werkstatt, wo wir die Nacht auf dem Hof verbringen.

Am nächsten Morgen wird das Getriebe wieder ausgebaut, diesmal auch die Kupplung. Alles total verölt! Das lässt sich nicht reinigen. Also muss eine neue Kupplung her. Außerdem könnte es sein, dass der Kupplungsausrücker undicht ist, also muss auch dieser neu her. Passenderweise ist in Deutschland ein Feiertag, so dass mal wieder nichts unternommen werden kann. Mittlerweile sind wir extrem frustriert, und dann passieren leider weitere Fehler. Beim Kippen des Fahrerhauses ist die Fahrertür nicht richtig eingerastet, sie schlägt auf und ist nun völlig verzogen.

Wir ziehen wieder ins Hotel, besorgen am nächsten Morgen erneut einen Leihwagen. Wieder heißt es nachts aufstehen, um mit Deutschland telefonieren zu können. Und wir haben Glück. Die Firma MNS, die uns auch das Getriebe geliefert hat, hat den Ausrücker vorrätig und kann die anderen Teile kurzfristig innerhalb weniger Stunden besorgen. Noch am gleichen Tag wird das Paket von UPS abgeholt und soll am Montagmorgen ankommen. An dieser Stelle Dank an Herrn Marks und Herrn Schoenen für ihren Einsatz!

Wieder warten! Vor unserem Hotelfenster ein lautes Gezeter. Bei den Keilschwanz-Regenpfeifern sind die Jungen geschlüpft und als Nestflüchter nun auf dem Parkplatz unterwegs. Die Altvögel versuchen (erfolgreich), sie vom Parkplatz wieder wegzutreiben.

Wir fahren nach Ohio zum Piedmont Lake und zum Barkcamp State Park, unterwegs wie eigentlich überall hier, eine "zersiedelte" Landschaft, eigentlich ganz nett, aber nirgendwo wirklich ohne Bebauung. Der State Park selbst gefällt uns -zumindest als Kontrast zu Werkstatthof und Hotel - ganz gut.


Nicht weit von unserem Hotel entfernt ist der Bear Rock Lake. Hier fahren wir mehrfach hin, um einfach der Werkstatt, dem Hotel zu entkommen und auf andere Gedanken zu kommen. Die hier zahlreich vertretenen Kanadagänse haben Junge, begrüßen uns mit lautem Gezeter.


Wir warten nun auf Montag. Das Tracking zeigt, dass unsere Sendung wohl pünktlich bereits am Morgen ankommen wird. Hoffentlich sind wir dann am Dienstag endlich wieder mobil. So langsam reicht es!


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09. August 2018

 

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02. Juli 2018

 

Die Zeit bis zur Rückverschiffung werden wir in Uruguay verbringen. Zuerst geht es entlang der schönen Atlantikküste.

  

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