Louisiana und Mississippi

30. November 2012

Von New Mexico aus machen wir uns auf den Weg Richtung Osten. Wir wollen einen Teil unserer ursprünglich geplanten Route nun doch noch in Angriff nehmen. (Ihr erinnert euch vielleicht, dass wir Ost-Kanada ziemlich schnell Richtung Westen verlassen haben.) Für den Blue Ridge Parkway ist es von der Jahreszeit her zu spät (und zu weit), aber die südlichen angrenzenden Ziele in Mississippi und Louisiana sind bei einem "kleinen" Umweg durchaus in Reichweite.

Zunächst einmal geht es durch den nördlichen Teil von Texas, Baumwollfelder soweit das Auge reicht! Aber schon bald wird auch hier die Landschaft hügeliger und grüner. Den Großraum Fort Worth/Dallas lassen wir auf der Interstate 20 schnell hinter uns und erreichen bei Shreveport die "Grenze" zu Louisiana. Östlich hiervon bei Minden verlassen wir die Interstate und fahren auf Nebenstrecken zum Mississippi. Die Landschaft ist geprägt von zahlreichen Seen, Sümpfen und ausgedehnten Wäldern.

Bei Vicksburg überqueren wir den Fluss und bleiben jetzt für einige Tage im Bundesstaat Mississippi. Vicksburg Battlefield, heute ein National Military Park ist ungefähr so beeindruckend wie das Schlachtfeld von Gettysburg. Beide Schlachten im Bürgerkrieg fanden nahezu zur gleichen Zeit statt und bedeuteten mehr oder weniger den Wendepunkt zu Gunsten der Union. In einer gewagten militärischen Operation und nach wochenlanger Belagerung wurde die Südstaaten-Armee von den Unionstruppen unter General Grant und Sherman zur Kapitulation gezwungen. In Europa findet man nichts Vergleichbares an Heldenverehrung - hunderte Denkmäler erinnern bis ins kleinste Detail an das Schlachtgeschehen, Truppenteile und deren Kommandeure auf beiden Seiten.

Auf dem Gelände des Nationalparks befindet sich auch das Wrack der USS Cairo. Das Dampfkanonenboot wurde im Bürgerkrieg durch eine Mine versenkt, in den 60er Jahren vom Grund des Mississippi geborgen und teilweise restauriert.

Downtown Vicksburg mit seinen alten Gebäuden ist durchaus sehenswert, wenn es natürlich auch nicht an Natchez (siehe weiter unten) heranreicht. Am Ufer des Mississippi gibt es hier interessante "Murales".

Südlich von Vicksburg übernachten wir im Grand Gulf Military Monument und besichtigen die Überreste der ehemaligen Stadt, die im Bürgerkrieg zerstört wurde.

Auf der Weiterfahrt nach Port Gibson, das im übrigen nicht zerstört wurde, da es "too beautiful to burn" ist (soll General Grant gesagt haben), kommen wir auch noch an den Windsor Ruins vorbei. Die Säulen lassen die Schönheit des Herrenhauses erahnen, das nicht dem Bürgerkrieg, sondern einem späteren Brand zum Opfer fiel.

Die Nebenstrecke führt durch urwaldähnliche Vegetation und ist unseres Erachtens viel schöner und typischer für die Gegend als das südlichste Teilstück des eigentlichen Natchez Trace Parkway (rechtes Bild). Im Natchez State Park treffen wir Elke und Georges, mit denen wir einen schönen Abend verbringen. Die Beiden waren 10 Jahre mit einem Katamaran auf See unterwegs und touren nun mit ihrem tollen Allrad-Sprinter zu Lande durch Nordamerika.

Natchez wird oft die heimliche Hauptstadt des Südens genannt. In der Stadt finden sich zahlreiche alte Herrenhäuser (sogenannte Antebellum Mansions, Gebäude also, die noch aus der Zeit vor dem Bürgerkrieg stammen). Übrigens kann man sich einige der Häuser auch von innen anschauen, das war uns allerdings zu teuer. Und dem Hörensagen nach ist es auch immer mit einer (langatmigen/langweiligen) Führung verbunden - und so etwas hassen wir wie die Pest.

Dass Mitte November so langsam Weihnachten naht, merkt man überall in den Straßen (in den Geschäften übrigens schon seit Oktober!!!). Die Amis sind in der Beziehung noch schräger als wir Deutschen. Allerdings entbehren die Dekorationen (und das bei Temperaturen über 20 Grad) und Illuminationen, gerade weil sie so kitschig sind, nicht eines gewissen Reizes.

Letztes Ziel in Mississippi ist das Catherine Creek National Wildlife Refuge, ein Sumpfgebiet, das man auf mehreren Wegen auch mit dem Fahrzeug erkunden kann. Neben zahlreichen anderen Wasservögeln gibt es hier auch die seltenen und schönen Brautenten (Wood Ducks). Wir haben Glück: Ein Ranger, der sich zunächst für unser Fahrzeug interessiert, dann unser Interesse an diesen Vögeln bemerkt, führt uns zu einem versteckt liegenden kleinen Teich, auf dem sich etwa 20 dieser wirklich wunderschönen Tiere befinden. Fotos sind leider nicht möglich, da die Vögel sehr scheu sind.

Auf dem Weg nach New Orleans machen wir - jetzt schon in Louisiana - Station im Tickfaw State Park mit seiner schönen Sumpflandschaft. Am nächsten Morgen geht es dann auf Nebenstrecken nach New Orleans. Vorab schon haben wir online im südlich New Orleans gelegenen Bayou Segnette State Park einen Stellplatz reserviert. Für den Besuch von New Orleans ist dieser Park übrigens ein Geheimtipp, und für uns ist es unverständlich, dass wir in keinem Reiseführer diese Info finden können. Denn nach nur gut 6 Meilen Autofahrt ist man hier an der Canal Street Ferry, die Fußgänger kostenlos hinüber nach New Orleans bringt. Das Fahrzeug kann man währenddessen auf einem sicheren, bewachten Parkplatz abstellen. Von der Anlegestelle sind es nur wenige Minuten bis zum French Quarter.

Im Übrigen hier folgende Anmerkung: Wir sind keine Fans von Campgrounds, manchmal geht es aber nicht anders. Die Louisiana State Parks sind zwar nicht ganz billig, da man grundsätzlich zur Campinggebühr auch noch die "Reservierungsgebühr" von 6 Dollar bezahlen muss, selbst wenn man nicht reserviert hat (diese Gebühr fällt allerdings nur für die erste Nacht an). Aber die Parks bieten in aller Regel neben schöner Lage zumindest eine vernünftige Gegenleistung: recht großzügig angelegte Stellplätze, gut funktionierendes WIFI an jedem Stellplatz, häufig kostenlose Laundries, immer kostenlose (warme) Duschen.

Zu New Orleans muss man eigentlich nicht viel schreiben, die Bilder sprechen für sich. Eine Stadt voller Leben, die sich nach Hurrikan Katrina wieder erholt hat - muss man eigentlich einmal gesehen haben.

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Südlich New Orleans liegt in exponierter Lage im Golf von Mexico die Grand Isle. Die Strecke dorthin folgt bis Port Fourchon (uninteressant, Erdölindustrie) dem Verlauf des Bayou Lafourche. Über Zugbrücken kann man mehrfach auf die jeweils andere Seite des Kanals wechseln, an den Ufern liegen zahlreiche Fischerboote (Shrimps). Entlang der Strecke gibt es immer wieder Gelegenheit, Vögel zu beobachten, dies sogar auch im Bereich der scheußlichen Erdölhäfen.

Über eine imposante Brücke (geringe Gebühr) erreichen wir die Grand Isle. Alle Häuser hier sind auf Stelzen errichtet, und viele haben sogar einen direkten Anschluss an einen Kanal. Leider sind im Grand Isle State Park in Folge von Schäden durch einen Hurrikan weite Teile gesperrt.

Bis Larouse fahren wir die gleiche Strecke zurück (La 1), hier biegen wir nach Westen ab. In der Nähe von Morgan City machen wir einen Abstecher auf die Four-Mile-Bayou-Road. Die schmale Straße verläuft unmittelbar am Ufer eines Bayou, zunächst ist dieses noch bebaut, später führt der Weg durch eine schöne Sumpflandschaft. In der Nähe von Patterson bewundern wir im Kemper William Park die wunderschön kitschigen Weihnachts-Dekorationen. Außerdem unternehmen wir einen Abstecher nach Avery Island. Die hier ansässige Tabasco-Fabrik erscheint uns eher uninteressant, und auch die hochgepriesenen Jungle Gardens erfüllen unsere Erwartungen nicht. Sehr schön sind allerdings die alten mit Louisiana-Moos behangenen Eichen, außerdem sehen wir den ersten Alligator auf dieser Reise.

Über Abbeville fahren wir wieder zurück zur Küste und folgen dem sogenannten Creole Nature Trail. Im südwestlichen Teil Louisianas liegen zahlreiche Wildlife Refuges: Rockefeller Wildlife Refuge, das Cameron Prairie National Wildlife Refuge, das Lacassine NWR und ganz im Osten das Sabine NWR.

Speziell in den ersten beiden Refuges haben wir Gelegenheit, überwinternde Vögel in unvorstellbaren Mengen zu beobachten:

Säbelschnäbler, Stelzenläufer, verschiedene Greifvögel (Bussard, Fischadler, Weißkopfseeadler ...), zwei Pelikanarten, mehrere Reiherarten, Seeschwalben, Kormorane, zwei Ibisarten, Rosalöffler, Eisvögel, Eulen, Rohrdommeln, zahlreiche Entenarten, vier Gänsearten (u.a. auch wieder Tausende Schneegänse, die wir schon im Bosque del Apache NWR gesehen haben - Link), Kraniche, Schlangenhalsvögel usw. usw.

Hawk
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Hawk
Willett
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Schlangenhalsvogel_Anhinga_01
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Außerdem sehen wir im Cameron Prairie NWR zahlreiche Alligatoren sowie Schildkröten. Lediglich das Sabine NWR ist nicht sehr ergiebig - sowohl landschaftlich als auch von der Tierwelt her.

Am Holly Beach übernachten wir direkt am Strand. Zwar ist die Straße sehr nah, aber das Meeresrauschen überlagert die Autogeräusche - und nachts fahren so gut wie keine. Der Strand ist ein Paradies für Muschelsammler.


Auch 2015 sind wir hier im Gebiet unterwegs. Bei Interesse schaut unseren aktuellen Bericht an:
Mittlere Golfküste - Alabama, Mississippi, Louisiana


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