Baja California (Mexico) - Teil 1

11. Februar 2013

Frühmorgens sind wir am Grenzübergang in Tecate, treffen Rosemarie und Harald und werden ohne irgendwelche Formalitäten durch gewunken und befinden uns in Mexico. Das kann nicht alles gewesen sein. Also heißt es einen Parkplatz suchen und zu Fuß zurück zum Grenzübergang zum Immigrationsbüro. Hier erhalten wir die Touristenkarte sowie den Einreisestempel. Genaueres hierzu findet ihr unter dem Punkt "Nützliche Informationen".

Auf der Mex 3 geht es durch schöne Landschaft und das Weinanbaugebiet Vallé de Guadalupe auf überraschend guter Straße nach Ensenada. Hier besorgen wir auf der Bank Pesos, was gar nicht so einfach ist. In der ersten Bank funktioniert der Geldautomat nicht, der Automat der nächsten Bank akzeptiert unsere Karte nicht, erst auf der vierten Bank haben wir Erfolg. Endlich können wir auch die Einreisegebühr bezahlen; die Quittung werden wir bei der Ausreise brauchen. Außerdem stocken wir unsere Vorräte auf - Ensenada hat einen großen Walmart sowie mehrere gut sortierte Calimax - Supermärkte.

Auf der Mex 1 geht es nun nach Süden, aber schon bald, etwa bei km 78 verlassen wir diese und fahren auf schmalem Asphalt nach Erendíra an der Pazifikküste. Nördlich des Ortes an der Felsenküste gibt es einige schöne Stellplätze. Vor der Küste liegen Vogelfelsen, auf denen sich auch zahlreiche Seelöwen sonnen. Immer wieder sehen wir Delphine, sogar Wale vorbeiziehen. Hier bleiben wir zunächst einmal. Im Gelände schöne Kakteen, blühende Agaven.

Zurück auf der Mex 1 geht es entlang der Pazifikküste durch landwirtschaftlich genutztes Gebiet nach El Rosario, wo die Straße ins Inland abbiegt. Hier ergänzen wir in einem kleinen Supermarkt noch einmal unsere Vorräte. Schon bald erreichen wir das Valle de los Cirios. Das Valle de los Cirios ist eine der beeindruckendsten Landschaften auf der Baja California. Besonders angetan haben es uns die bizarren Cirios. An einer der zahlreichen dirt roads finden wir abseits der 1 einen schönen Übernachtungsplatz inmitten dieser herrlichen Kakteenlandschaft.

Wenn ihr noch mehr Bilder hierzu sehen wollt, so schaut euch die Bildergalerie zu Kakteenlandschaften der Baja California an.

Weiter geht es. Und was man eigentlich gar nicht für möglich hält - die Landschaft wird sogar noch schöner. Hinter Cataviña ist die Gegend übersät mit großen "boulders", die an Sardinien erinnern. In Kombination mit den zum Teil gigantischen Kakteen ergibt das ein faszinierendes Landschaftsbild.

Wieder verlassen wir die Mex 1. Auf einer guten Asphaltstraße fahren wir knapp 70 km an die Küste der Cortez-See nach Bahía de los Angeles. Entlang der Strecke kommen zu den Kakteen noch viele "Elephant Trees" hinzu. Auch diese Strecke ist traumhaft schön. Dem Straßenverkehr zum Opfer gefallene Tiere sind ein gefundenes Fressen für zahlreiche Geier.

In Bahía de los Angeles schauen wir uns kurz um. Die Einkaufsmöglichkeiten sind begrenzt, Internetzugang kriegen wir nirgends, das "Internetcafé" hat geschlossen. Schnell noch ein paar leckere und preiswerte Fisch-Tacos, dann machen wir uns auf nach Norden zur Playa La Gringa. Die ersten Kilometer sind asphaltiert, danach geht es über übles Wellblech langsam holpernd in die schöne Bucht. Im Camp ist quasi nichts los. Wir bleiben etliche Tage hier. Einzige Ausstattung sind Plumpsklos sowie eine Hütte mit "Duscheinrichtung". Hier kann man sich mit einem Becher aus bereitgestelltem Wassereimer "abduschen". Verlangt werden 70 Pesos für die Nacht.

Zum ersten Mal auf der Baja bauen wir unser Faltboot auf, können aber nicht jeden Tag fahren, da der Wind viel zu stark ist. Gelegenheiten ergeben sich morgens früh, dann ist es in der Regel relativ windstill, spätestens um 10 Uhr frischt der Wind dann sehr stark auf (ohne Windschutz draußen zu sitzen geht dann gar nicht), um dann am späten Nachmittag wieder nachzulassen.

Lediglich der letzte Tag ist komplett windstill. Diese Wetterlage nutzen die im Ort wohnenden Amerikaner dann auch gerne zum Fischen. Sie haben Gelbflossenthuns gefangen und bringen eine gute Portion vorbei. Sehr, sehr lecker!

Viele Vögel sind zu beobachten. Delphine ziehen teilweise nah am Strand vorbei. Unzählige Seesterne gilt es zu bewundern.

In der letzten Nacht im Camp regnet es heftig und anhaltend. So fällt uns der Abschied von diesem schönen Fleckchen Erde nicht ganz so schwer. Wieder übernachten wir in der Wüste umgeben von zahllosen Kakteen. Die Wetterlage stellt sich um - nachmittags beginnt es auch hier zu regnen. Aber abends hört der Regen auf, Gelegenheit, den schönen Sonnenuntergang zu bewundern.

Zurück auf der Mex 1 geht es weiter südwärts. Die recht häufigen Militärkontrollen auf der ganzen Baja tun uns nicht weh. Peter hat sein Bundeswehr-Käppi auf, grüßt zackig, das reicht dann in der Regel aus. Ein paar Fragen zum Woher und Wohin - mehr ist nicht. Nur ein einziges Mal will überhaupt jemand ins Fahrzeug schauen, er interessiert sich nur für unsere Fotos an den Wänden und möchte wissen, wo das ist. Bald ist die "Grenze" zur Baja California Sur erreicht. Wieder ein Checkpoint, diesmal allerdings kein militärischer. Die Verbreitung der Fruchtfliege soll verhindert werden, deshalb darf kein Obst mitgebracht werden. Der Fahrzeug-Unterboden soll beim Überfahren einer Sprüheinrichtung desinfiziert werden. Wir zahlen 20 Pesos, sollen unsere Fenster schließen, damit wir nichts abbekommen. Das ist lächerlich. Der Strahl wird sicherlich einen PKW-Unterboden erreichen, ob er allerdings bis zu unserem gereicht hat, wagen wir zu bezweifeln. In Guerrerro Negro wieder einmal Gelegenheit zum Einkaufen. Ansonsten halten wir uns hier im Ort nicht auf. Wir wollen erst auf dem Rückweg zur naheliegenden Lagune, jetzt fahren wir erst einmal weiter südwärts.

Unser Ziel ist die Lagune von San Ignacio. In San Ignacio bewundern wir die große Missionskirche, ein Walskelett weist auf die Nähe der Lagune hin.

Mittlerweile sind die ersten 37 km der Zufahrt asphaltiert, die restlichen etwa 28 km sind Piste, teilweise etwas holprig, und da es geregnet hat ziemlich schlammig. Im Camp Kuyima sind wir die einzigen Besucher. Das Camp ist liebevoll angelegt, macht einen sehr sauberen Eindruck. Und es gibt sogar die Möglichkeit einer heißen "Dusche" - nach der Methode Wassereimer und Schöpfkelle. Im Bereich des Camps nisten viele Fischadler auf extra bereitgestellten Plattformen. Bereits von unserem Stellplatz aus sehen wir Wale in der Ferne, außerdem viele Vögel direkt unterhalb im Wasser.

Abends beginnt es leider zu regnen, in der Nacht dann sogar ein heftiges Gewitter mit viel, viel Regen. Auch morgens noch dunkle Wolken. Aber Gottseidank bessert die Wetterlage sich, die Sonne lässt sich blicken. Rosemarie und Harald treffen ein, gemeinsam gehen wir auf Walbeobachtungs-Tour. Das Boot kommt zum Camp und holt uns dort ab. Die Anfahrt zum Beobachtungsgebiet nimmt etwa eine Viertelstunde in Anspruch. Unzählige Vögel (Pelikane, Kormorane) ziehen vorüber. Auch Delphine sind zu sehen. Wir haben nun zwei Stunden Gelegenheit, Wale zu beobachten. Zunächst sehen wir die Wale nur in der Ferne. An einem zweiten Boot, das unterwegs ist, sehen wir dann, was auch bei uns bald geschieht. Etliche der riesigen Tiere kommen näher, sogar ganz nah ans Boot heran. Besonders beeindruckend eine Mutter mit Jungtier. Beide kommen bis in Berührungsnähe, stoßen auch schon einmal ans Boot, tauchen unter dem Boot her, direkt auf der anderen Seite wieder auf. Wir sind total begeistert. Wir haben schon andere Waltouren gemacht - aber mit dieser nahen Begegnung mit den Giganten ist es nicht vergleichbar.

Auch die kommende Nacht verbringen wir im Camp. Abends ein Spaziergang zum kleinen Restaurant, wo wir leckeren Fisch essen. Entlang des Strandes unzählige schöne Muscheln, immer wieder Knochen von Walen, Delphinen, Seelöwen. Leider ist Sammeln streng verboten!!!

Am nächsten Morgen machen wir uns auf den Rückweg. Es wäre besser gewesen, noch einen weiteren Tag im Camp zu verbringen. Die Fahrt ist eine regelrechte Schlammschlacht. Der schmale zu überfahrende Damm ist völlig aufgeweicht. Wir schlittern hin und her. Vor uns ist bereits ein Toyota-Allradfahrzeug abgerutscht und kommt nicht wieder hinauf. Das ist uns zu gefährlich. Gummistiefel an und raus in den Schlamm. Wir schneiden Zweige von Büschen ab, legen diese in die Fahrspur und kriechen dann im Schneckentempo rückwärts bis zum festen Land. Hier verbringen wir etliche Stunden, bis die Sonne und der heftige Wind die Piste soweit abgetrocknet haben, dass wir gefahrlos weiter können.

Mittlerweile ist es später Nachmittag, zu spät um noch weiter zu fahren. Wir schauen uns die Campgrounds in San Ignacio an, bleiben dann letztendlich auf dem, den wir bei der Hinfahrt als scheußlich empfunden haben (da direkt an der Straße und ziemlich gut belegt). Diesmal ist außer uns niemand dort, den Ausschlag gibt das WIFI sowie der Sonderpreis, da wir keinen Strom und keine heißen Duschen benötigen. Außerdem können wir hier recht gutes Wasser füllen. Auf der Terrasse des Restaurants können wir die fertigen Homepage-Berichte hochladen, Mails checken und schreiben usw. Abends lassen wir uns leckere Fisch- und Shrimpsgerichte schmecken.

Entgegen unserer Befürchtung war es nachts sogar recht ruhig. Durch schöne Landschaft geht es weiter auf der Mex 1 Richtung Süden. Wir erhoffen uns in Santa Rosalía einen guten Supermarkt, um unsere Vorräte aufstocken zu können. Aber entlang der 1 entdecken wir nur kleine Lädchen. So geht es bis Mulegé. Der Geldautomat der Bank spuckt neue Pesos aus, Einkaufen geht auch ganz gut.

Nun sind wir gerüstet für einen längeren Aufenthalt an der Bahía Concepción. Die ersten Buchten, die wir sehen, sind recht gut belegt, so wie es aussieht, teilweise mit Dauercampern. El Requesón und Playa La Perla sind nahezu leer. Die Bucht El Requesón ist eigentlich die schönere, wir entscheiden uns aber für La Perla, da es hier die besseren Palapas gibt. Außerdem hört man hier die teilweise unverschämt lauten Trucks auf der Mex 1 deutlich weniger. Alle Buchten und damit die Camps liegen nämlich ziemlich nah an der Transpeninsular - jedes Paradies hat anscheinend seine Schattenseiten. Eine weitere Schattenseite ist der im Winter typische heftige Nordwind. Dieser bläst, wenn er einmal angefangen hat, für mehrere Tage sehr heftig, danach gibt es dann aber auch mehrere windstille Tage.

So war es bereits in der Bahía de los Angeles, so ist es auch hier. In den ersten Tagen sind wir froh, eine gute Palapa zu haben, die den heftigen Wind abhält. Aber der Wind hat auch etwas Gutes. Die Wellen spülen immer wieder schöne "collectables" an den Strand.

Nach drei oder vier Tagen flaut der Wind ab - Gelegenheit zu Touren mit unserem Faltboot. Mit dem Boot kommen wir teilweise sehr nah an die zahlreichen Vögel hier in den Buchten heran, besonders an die veschiedenen Reiherarten, die in den Mangroven sitzen.

Immer wieder kommen Händler vorbei, wir kaufen frischen Fisch, große Krabben, mexikanische Gerichte wie Empanadas, Tomales usw. Abends sitzen wir jetzt, da der Wind aufgehört hat, am Lagerfeuer und lassen es uns gut gehen.

Folgendes soll allerdings auch erwähnt werden. Die Methode der Abfallentsorgung hier in den beiden Buchten (die anderen an der Bahía Concepción können wir nicht beurteilen) ist recht abenteuerlich. Wir werfen unseren Abfall in die zahlreichen bereitgestellten Abfalltonnen. Irgendwann kommt dann jemand mit einer Schubkarre vorbei - wir schauen interessiert zu, was denn jetzt geschieht. Man glaubt es nicht - die Schubkarre voller Abfall wird direkt hinter dem Strand ins Gebüsch gekippt und dann angezündet!

Aber irgendwann zieht es uns dann doch weiter. Wir bauen das Boot ab, verabschieden uns von unseren sehr netten kanadischen Nachbarn, mit denen wir schöne Stunden verbracht haben, dann geht es nach Loreto. Die Strecke führt uns durch die fotogene Landschaft der Sierra de la Giganta.

In Loreto kaufen wir ein, dann mieten wir uns für eine Nacht auf dem Stadt-Campground Rivera del Mar ein, nachdem wir ihn mit etwas Suchen dann endlich gefunden haben. Die Plätze sind klein und eng, aber der Campground ist sehr sauber, heiße Duschen sind vorhanden, Waschmaschinen und Trockner gibt es auch, man kann Wasser füllen - und es gibt ein funktionierendes WIFI. Also genau das, was wir jetzt brauchen. Am Nachmittag gehen wir durch den hübschen Ort, abends essen wir bei Orlandos - dieses kleine Restaurant können wir nur empfehlen.

Ein erstes Fazit zur Baja California:

Die Straßen sind in einem viel besseren Zustand, als wir dies nach zahlreichen Berichten erwartet haben. Die Verkehrsdichte ist im Bereich größerer Ortschaften höher, dort kommt es auch immer wieder einmal zu riskanten Überholmanövern, außerhalb herrscht deutlich weniger Verkehr. Ein Problem sind die riesigen Trucks, die hier fahren, zum einen wegen der Größe, zum anderen fahren sie viel zu schnell, überholen an den unmöglichsten Stellen. Außerdem verbreiten sie einen Höllenlärm, da sie überhaupt nicht gedämpft sind. Speziell die Motorbremsen sind über große Entfernungen zu hören.

Die Menschen sind sehr freundlich, wir fühlen uns nirgendwo unsicher. Immer wieder wird uns zu gewunken, werden wir freundlich gegrüßt.

Die Landschaft gefällt uns sehr gut. Der Kontrast zwischen schönen Küstenabschnitten mit kleinen Sandbuchten und der direkt dahinter liegenden Wüste mit ihrer großartigen Kakteenlandschaft könnte größer und schöner nicht sein. Kein Landschaftsarchitekt könnte schönere Gärten gestalten. Und als Zugabe gibt es noch großartige Berglandschaften. Wir sind froh, dass wir uns zum Abstecher hierher entschlossen haben. Andere europäische Langzeitreisende scheinen ähnlich zu denken. Wir haben in den Wochen hier auf der Baja deutlich mehr von ihnen getroffen als im halben Jahr in Nordamerika.

Über unsere Zeit auf der Baja haben wir auch einen Bericht für die Zeitschrift "Allradler" geschrieben. Diesen findet Ihr hier.


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