Eine Winterreise mit dem Postschiff

Bedingt durch Christines gesundheitliche Probleme hat sich reisemäßig bei uns und damit hier auf der Seite seit unserer Rückkehr aus Nordamerika wenig getan. Aber über eine Reise im vergangenen Winter wollen wir nun doch berichten. In Nordamerika wollten wir ja seinerzeit eigentlich die Inside Passage fahren, haben aber keinen Platz auf dem Schiff bekommen. Damals reifte die Idee, sozusagen als Ersatz eine Postschiffreise von Bergen nach Kirkenes zu unternehmen. Damit ein wenig Alaska-Feeling aufkommen kann, soll es im Winter sein. Außerdem erhoffen wir uns vom Wintertermin weniger Betrieb auf den Schiffen - Menschenansammlungen auf engem Raum sind nämlich nicht unser Ding! Außerdem besteht die Hoffnung Nordlicht zu sehen. Der Arzt hat keine Einwände, und so buchen wir direkt bei Hurtigruten die klassische Postschiffreise Bergen - Kirkenes und zurück. Der Große Wagen bleibt daheim, seit langem sind wir wieder einmal ohne eigenes Fahrzeug unterwegs.


Das Schiff

Wir entscheiden uns für die MS Polarlys, die in einschlägigen Foren sehr gelobt wird. Eine gute Wahl! Es handelt sich um ein Schiff der neueren Generation, 1996 gebaut, nicht zu groß, sehr komfortabel, aber auch noch sehr persönlich und mit ansprechender Atmosphäre. Der Name könnte ein gutes Omen sein, bedeutet er auf Deutsch doch Polarlicht! Die neuesten Schiffe, die wir beim Treffen in anderen Häfen teilweise besichtigen können, sind zwar noch viel komfortabler, uns aber zu unpersönlich. Zudem ist das von uns gewählte Schiff gerade einmal zur Hälfte belegt, was genügend Freiraum ermöglicht. Unsere Außenkabine ist hinreichend dimensioniert, bietet ausreichend Stauraum in Schränken und wird wie im Hotel täglich gereinigt.

Die Innenausstattung des Schiffes gefällt uns sehr gut. Überall gibt es hinreichend Möglichkeiten, gemütlich zu sitzen und die Fahrt entlang der Küste zu genießen.

Auf Nordlicht wie auf dem schönen Bild hoffen wir natürlich; die Bar auf dem Sonnendeck ist selbstverständlich nicht geöffnet.

Besonders hervorzuheben ist die Verpflegung. Morgens und mittags gibt es jeweils ein gutes Buffet, abends wird ein mehrgängiges Menü serviert. Alkohol ist - wie in skandinavischen Ländern üblich - teuer. Aber man kann im Supermarkt halbwegs bezahlbares Bier kaufen, das man natürlich nicht in den öffentlichen Räumen verzehren darf.


Die Route

Die Reise beginnt in Bergen. Elf Tage lang werden wir entlang der norwegischen Küste dem Golfstrom folgen. Insgesamt werden mehr als 30 Häfen angelaufen, die Aufenthaltsdauer ist unterschiedlich. Mal legt das Schiff nur kurz an, löscht Ladung, nimmt neue Fracht auf, und weiter geht es. Mal liegt man für einige Stunden am Kai, häufig zentral im Ort - Gelegenheit, an Land zu gehen. Und bei manchen Häfen liegt man auch einfach im Bett, da es Nacht ist. Folgt uns auf unserer spannenden Reise!

Zunächst einmal fängt unsere Reise aber mit einer Verzögerung an. Bereits vor Abreise wurden wir informiert, dass die Einschiffung an unserem Abreisetag aufgrund eines Neigungstests des Schiffes erst verspätet erfolgen kann. Vor Ort zeigt sich dann, dass dieser nicht rechtzeitig abgeschlossen wurde. Und so verbringen wir die erste Nacht nicht an Bord, sondern essen und übernachten in einem guten Hotel, das Hurtigruten besorgt hat.

Am nächsten Morgen kann es dann aber endlich losgehen. Bei unserer Abfahrt in Bergen ist das Wetter nicht so wie erhofft. Tiefhängende dunkle Wolken, Schnee ist keiner zu sehen, dafür regnet es zeitweise. Um die Verspätung wieder aufzuholen - Hurtigruten-Schiffe fahren mit festem Fahrplan - werden einige Häfen ausgelassen. Hierfür werden wir später eine finanzielle Entschädigung erhalten.

Wir haben uns sofort nach dem Einchecken auf dem Schiff das sogenannte "Kaffeepaket" besorgt. Hierzu erwirbt man eine Isoliertasse und kann dann während der gesamten Reise ohne weitere Bezahlung jederzeit Kaffee und Tee z.B. in der Cafeteria besorgen.

Erste Station am Abend ist dann das Städtchen Ålesund. Auch in Trondheim, der drittgrößten und zweitältesten Stadt des Landes, wo wir einen längeren Aufenthalt haben, keine Spur von Schnee. Aber zumindest regnet es nicht mehr. Trondheim war früher einmal die Hauptstadt Norwegens, hieß zu diesem Zeitpunkt noch Nidaros. Sehenswert ist neben den alten Holzgebäuden vor allem der Nidaros-Dom, der wegen Renovierung leider aber nicht zugänglich ist.

Auf der Weiterfahrt bessert sich das Wetter langsam, aber kontinuierlich. Bei Ørnes dann erste, wenn auch noch spärliche Spuren von Schnee. Bald ist der Polarkreis erreicht, was natürlich für alle die, die diese imaginäre Linie zum ersten Mal überqueren (für uns also nicht!), eine Taufe durch Neptun höchstpersönlich bedeutet. Auf eine Ladung Eiswürfel auf nackter Haut hätten wir uns sowieso nicht besonders gefreut!

Über Bodö erreichen wir die Svolvaer auf den Lofoten, bevor wir dann in Tromsö wieder einen längeren Aufenthalt haben. Es ist knackig kalt, und man sieht, dass hier zumindest schon einmal richtiger Winter gewesen sein muss. Das Schiff liegt direkt gegenüber der Eismeerkathedrale - schöne Fotomotive gibt es also selbst von Bord aus genug. Natürlich lassen wir es uns trotzdem nicht nehmen, die Stadt ausgiebig zu erkunden.

Abends lädt Kapitän Winter zur Stockfischverkostung ein. Er lässt es sich nicht nehmen, die knochenharten Fische mit einer Axt selbst fachgerecht zu bearbeiten und an die Passagiere zu verteilen. Wir waren schon oft in Norwegen, haben aber noch nie Stockfisch probiert. So wie er hier dargereicht wird, ist er als Snack oder Chips-Ersatz gut geeignet - salzig, ein wenig knusprig - kurzum ganz lecker.

Immer weiter geht es nach Norden durch eine immer winterlicher werdende Kulisse, vorbei an kleinen Ortschaften wie dem Fischerdorf Havoysund. Honningsvåg - Ausgangspunkt für eine Tour zum Nordkap (auf die wir allerdings verzichten) - bietet mal wieder Gelegenheit zu einem ausgiebigen Bummel.

An Bord informiert uns ein Fischer über die Königskrabben, die manchmal aufgrund ihrer enormen Größe auch Monsterkrabben genannt werden. Diese wurden Ende der sechziger Jahre bei Murmansk ausgesetzt, haben sich mittlerweile bis zu den Lofoten ausgebreitet. Das Fleisch wird als Delikatesse geschätzt, weswegen die Tiere auch befischt werden. Auf dem rechten Foto gut zu erkennen die riesigen Eipakete.

In Kjöllefjord dann endlich das erste Mal Nordlicht, aber wir müssen bittere Erfahrungen machen mit Langzeitbelichtungen auf einem schwankenden Schiff. Die Aufnahmen werden leider nichts, kommen nicht entfernt an die Wirklichkeit dieses eindrucksvollen Naturschauspiels heran.

Mit Kirkenes ist der End- und damit Wendepunkt unserer Reise erreicht. Auch hier wird natürlich be- und entladen, nutzen wir die Zeit zu einem ausgiebigen Spaziergang im Ort. Überall spürt man die Nähe zu Russland, sei es an den am Zollgebäude aufgestellten Grenzpfosten, sei es an den Straßennamen, die sowohl in Norwegisch als auch in Russisch beschriftet sind. Abends wird dann unsere Hoffnung auf weiteres Nordlicht zunichte gemacht. Es ist stark bewölkt, fängt sogar an zu schneien - keine guten Voraussetzungen!

Auf der Rückfahrt laufen wir teilweise andere Häfen an als auf dem Hinweg, z.B. Hammerfest, das sich selbst als nördlichste Stadt der Welt bezeichnet. Die nördlichsten Gebiete von Sibirien, Point Barrow in Alaska liegen auf dem gleichen Breitengrad - sind aber natürlich nicht bewohnt. Oder aber, wir legen jetzt tagsüber dort an, wo wir auf dem Hinwegs nachts waren, wie z.B. in Øksfjord. Das Wetter ist deutlich besser geworden, so dass sich immer wieder schöne Fotomotive ergeben.

Bei dem klaren Wetter haben wir auch noch einmal ausgiebig Gelegenheit, fantastisches Nordlicht zu bewundern. Gut vermummt harren wir lange in der klirrenden Kälte aus, trinken heißen Tee (mit Rum - psst!) und fotografieren, staunen. Langzeitbelichtungen auf einem fahrenden Schiff sind zwar nahezu unmöglich, aber einige Fotos sind zumindest von halbwegs akzeptabler Qualität. Und - wir haben es gesehen - die Erinnerung daran kann uns niemand nehmen.

Weiterer Anlaufpunkt auf den Vesterålen ist beispielsweise Harstad mit seinen schönen Murales direkt am Kai; hier begegnen wir wieder einmal einem weiteren Hurtigruten-Schiff, der MS Trollfjord.

An eindrucksvoller Küstenszenerie vorbei geht es weiter Richtung Süden. Die langsame, lange Anfahrt zum kleinen Ort Risoyhamn gefällt uns besonders gut, zumal das Wetter weiterhin mitspielt.


Nach einem Stop in Sortland auf den Vesterålen haben wir in Stokmarknes Gelegenheit, ein Hurtigruten-Museum zu besuchen. Die alte MS Finnmarken von 1956 zeigt uns deutlich, wie sich die Schiffe der Hurtigruten weiter entwickelt haben. Zur damaligen Zeit war die Finnmarken sicher sehr luxuriös, der Unterschied zu unserem Schiff heute ist doch gewaltig.

Zurück auf der MS Polarlys lernen wir dann, wie man Lachse fachgerecht filetiert, bevor es dann - diesmal Gottseidank gerade noch rechtzeitig vor Einbruch der Dunkelheit - durch den gut 20 km langen Raftsund geht. Zu beiden Seiten des Schiffes etwa 1.000 m hohe Berge! Die Fahrt durch den engen Fjord ist beeindruckend; schade, dass im Winter der hier abzweigende, noch viel schmalere Trollfjord aus Sicherheitsgründen nicht angefahren wird.

Am nächsten Morgen queren wir wieder den Polarkreis, markiert durch einen Globus auf der kleinen Insel Vikingen. Eine Taufe gibt es natürlich jetzt nicht mehr, aber Lebertran auf einem schön gestalteten Löffel, den man als Souvenir behalten kann. Und - den schlechten Geschmack kann man mit einem Moltebeerenlikör herunter spülen.

Das gute Wetter hält sich, so dass die schöne Küste noch beeindruckender ist als auf dem Hinweg. Wir passieren weitere kleine Ortschaften. Sehr fotogen die Bergkette der Sieben Schwestern. Zählt einfach nach, dann wird klar, warum diese Bergkette den Namen erhalten hat. Der Sage nach handelt es sich bei den Sieben Schwestern um Trolle, die zu Stein geworden sind, weil sie nicht rechtzeitig vor Sonnenaufgang ihr Versteck aufgesucht haben.

In Bronnoysund befinden wir uns wieder in schneefreier Gegend. Die Stadt nennt sich selber "Küstenstadt in der Mitte Norwegens". Wieder legen wir quasi mitten im Ort an. Die Beleuchtung am späten Nachmittag/frühen Abend ist sehr schön.

In Kristiansand, das auf dem Hinweg der "Aufholjagd" zum Opfer gefallen ist, empfangen uns dann leider wieder tief hängende Wolken, und mit Wolken geht unsere Fahrt in Bergen dann auch so zu Ende, wie sie begonnen hat.



Fazit

Ein kurzes Fazit dieser für uns so ungewöhnlichen Reise: Es waren 11 abwechslungsreiche Tage, faszinierende Landschaften, kleine und größere Ortschaften begleiteten uns. Wir haben insgesamt 2.780 nautische Meilen zurückgelegt, das sind immerhin 5.150 km! Meist war Neptun uns gnädig gesonnen, stürmischere Passagen waren Gottseidank eher selten. Das Leben an Bord war angenehm, neben dem (ungewohnten) Luxus vor allem zurückzuführen auf die nicht ausgebuchte Fahrt. Das Wetter hätte auf der Hinfahrt besser sein können, vor allem aber hätte mehr Schnee liegen sollen. Aber trotzdem können wir uns gut vorstellen, noch einmal ohne den Großen Wagen auf Postschifftour zu gehen.

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