Nord-Norwegen mit Hindernissen

September 2014

Unsere diesjährige Sommerreise führt uns - nach langer Pause - wieder einmal nach Skandinavien, früher eins unserer Lieblingsziele. Jetzt sind wir aber mit Ausnahme der Postschiffreise im Winter seit vielen Jahren nicht mehr dort gewesen und gespannt, was uns erwartet. Der Schwerpunkt unserer Reise soll diesmal auf Nord-Norwegen liegen. Fahrräder und Boot müssen leider zu Hause bleiben, da Christines noch nicht so lange zurückliegender Handgelenkbruch ein Benutzen verbietet.

Mit der Tagfähre von TT-Lines fahren wir von Travemünde hinüber nach Trelleborg, haben uns für kleines Geld eine gute Tageskabine gegönnt, enthalten im Preis ist sogar noch das Mittagessen. So kommen wir entspannt in Schweden an, suchen uns für die Nacht ein schönes Plätzchen am Strand.

Am nächsten Morgen starten wir früh. Für unsere Fahrt nach Norden wählen wir die Inlandstrecke durch Schweden. Diese haben wir von früher her als angenehm zu fahren in Erinnerung, und das ist auch mehr oder weniger so geblieben. Schöne und ruhige Übernachtungsplätze zu finden ist kein Problem.

Über den Silvervägen geht es nach Norwegen ins Junkerdal. Hier findet sich eins der wenigen Gebiete, wo man zur richtigen Jahreszeit die seltenen Frauenschuh-Orchideen finden kann. Das Wetter ist nicht besonders gut, die tolle Landschaft versinkt in Nebel, Wolken und Regen.

Trotz strömendem Regen wandern wir ins Junkerdal hinein. Wir sind alleine unterwegs - kein Wunder! Lohn sind unzählige Exemplare der eindrucksvollen Orchideen. Fotografieren ist allerdings im Dauerregen durchaus ein Problem.

Auf der E6 sind deutlich mehr Touristen unterwegs als auf der bisherigen Strecke. An den Rastplätzen direkt neben der stark befahrenen Straße übernachtet man dicht an dicht in den Womos. Das ist nicht unser Ding, und mit etwas Suchen findet man auch durchaus bessere Möglichkeiten. Das Wetter bessert sich zusehends, allerdings ist es noch recht kühl.

Eine Fähre bringt uns von Skutvik nach Svolvaer auf den Lofoten. Die Landschaftskulisse auf der Fährfahrt ist absolut beeindruckend.

Auf den Lofoten geht es zunächst nach Henningsvaer. Der kleine Ort wimmelt von Touristen, auf dem Parkplatz kommt man kaum noch unter - ätzend! Und so geht es uns überall auf den Lofoten. Unzählige Womos fahren umher, nachts stehen sie dicht an dicht auf Park-, Rast- und Picknickplätzen. In der Landschaft bleiben oft die unschönen Überreste zurück, obwohl es Entsorgungsstationen gibt.

Die schöne Kirche von Flakstad kostet mittlerweile Eintritt! In der Nähe wieder große Womo-Ansammlungen, obwohl ein Schild höflich darauf hinweist, dass das so nicht erwünscht ist. Da wird es wohl nicht mehr lange dauern bis auch hier überall Verbotsschilder auftauchen.

Die Straßen sind dem Ansturm kaum noch gewachsen, deshalb gibt es lange Baustellen, um die einstmals engen Straßen zu verbreitern. Schade - die schöne Vogelkolonie kurz vor Å, auf die wir uns schon gefreut hatten, existiert nicht mehr. Die Felsen wurden kurzerhand weggesprengt. Trotzdem - die Landschaft ist nach wie vor großartig, und mit etwas Mühe finden sich auch einige bessere Übernachtungsmöglichkeiten - wie lange noch???. Und ob man an den Plätzen alleine bleibt, ist bereits heute schon fraglich: "Oh, schau mal, da kann man hin. Da steht schon einer."

Unser Besuch auf den Lofoten fällt aufgrund dieser Bedingungen deutlich kürzer aus als vorgesehen. Wir setzen unsere Inseltour auf den Vesterålen fort. Das Wetter ist weiterhin gut, teilweise ist es allerdings recht windig. Auf der Vesterålen-Insel Langoya ist insgesamt viel weniger Betrieb; die kleinen Ortschaften sind (noch) nicht überlaufen.

Auf Andoya ist dann wieder etwas mehr los, aber im Vergleich zu den Lofoten hält es sich noch in Grenzen. An schönen Plätzen bleiben wir auch schon einmal mehrere Tage, wandern, beobachten Vögel, Seehunde, Seeotter, sitzen am Lagerfeuer.

Von Andenes aus heißt es dann wieder einmal Fähre fahren. Die Insel Senja ist unser Ziel. Hier ereilen uns einige Regenschauer. Aber Gottseidank ist am nächsten Tag das Wetter wieder OK, vor allem wird es nun endlich deutlich wärmer. Sehr fotogen ist der Bergsbotn. Oberhalb des Fjords gibt es einen Aussichtspunkt, den wir "Skywalk" taufen - die haben zu viel Geld, die Norweger!

Bei sommerlichen Temperaturen und Traumwetter passieren wir die Lyngenalpen. So gutes Fotografenwetter hatten wir hier im Bereich noch nie!

Wir wandern durch die Ruinen von Ankerlia, einer ehemaligen Bergbausiedlung. Hier wurde Kupfer gewonnen. Heute ist es ein kostenloses Freiluftmuseum. Der Weg in den sehenswerten Sobmergorsa-Canyon bleibt uns diesmal allerdings leider versperrt, zu viel Wasser!

Eigentlich wollen wir von hier aus eine Piste bis ans Ende zu einem See fahren. Ein großes Schneefeld lässt uns dann allerdings umkehren. In schöner Lage übernachten wir absolut ruhig, bevor wir am nächsten Tag wieder an die Küste zurückkehren.

Weiter geht es entlang des Lyngenfjords. Um schöne Übernachtungsplätze zu finden, verlassen wir des Öfteren die E6.

Die von uns geplante Pistenfahrt auf der alten 93 mit Wanderung zum Sautso-Canyon muss leider entfallen. Die Strecke ist für Fahrzeuge über 5 to gesperrt! Wir sind enttäuscht, die weitere Strecke auf der Asphaltstraße empfinden wir beide als öde und langweilig. Es soll hinüber nach Finnland gehen; hier wollen wir tanken (deutlich preiswerter als im teuren Norwegen), danach weiter in den äußersten Nordosten Norwegens nach Kirkenes fahren. Wahrscheinlich war es gut, dass wir die Piste zum Sautso-Canyon nicht fahren dürfen, denn plötzlich leuchtet am Armaturenbrett die EDC-Warnleuchte auf, geht wieder aus und leider auch wieder an.

Die ganze Odyssee, die sich hieraus ergibt, ersparen wir Euch (und uns), nur das: Wir verbringen insgesamt 12 Tage auf einem Werkstatthof in Kirkenes, bevor der MAN wieder startet. Zumindest stehen wir relativ ruhig, haben Geschäfte in der Nähe und sogar WLAN, wenn es auch recht lahm ist. Damit wir nicht nur hier herumhängen, leihen wir uns für einige Tage für sündhaft teures Geld einen PKW und fahren u.a. hinein nach Kirkenes.

Ebenfalls mit dem Mietwagen geht es hinaus nach Grense Jakobselv, wo wir einen Blick hinüber nach Russland werfen können. Außerdem fahren wir ein Stück Richtung Øvre Pasvik Nationalpark. Das Schild zu Beginn der Straße stimmt zumindest auf dem von uns gefahrenen Abschnitt nicht ganz - da sind wir hier in Norwegen schon deutlich schlimmere Strecken gefahren!

Sehenswert auch der Wasserfall bei Neiden sowie die schöne Kirche.

Nach abgeschlossener Reparatur trauen wir dem Braten nicht, denn es ist klar, dass die Reparatur nicht einwandfrei erfolgt ist. Schaut Euch an, wie es zunächst aussieht!!!

Wir fahren sehr vorsichtig, es scheint zu gehen. Wenn wir bergauf fahren, leuchtet ab und an die EDC kurz auf. Schnell dürfen wir auch nicht fahren, denn dann ruckelt der Motor sofort wieder, die Lampe leuchtet. Für die erste Nacht bleiben wir halbwegs in der Nähe an einem kleinen Naturreservat, genießen es nach 12 Tagen Werkstatthof, in schöner Umgebung zu stehen, einen Spaziergang zu machen. Am nächsten Tag führt ein Abstecher uns nach Bugoynes. Überall blüht es. Für diejenigen unter Euch, die botanisch interessiert sind, deshalb eine Bildergalerie zu Wildblumen in Norwegen.

Fettkraut_01
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Fettkraut_01
Erzengelwurz
Hornklee
Lichtnelke
Sumpfporst
Frauenschuh_02

Wir denken, dass wir es riskieren können, noch ein paar Tage in der Gegend zu bleiben und zumindest auf die Varanger-Halbinsel zu fahren. Unterwegs sehen wir viele Rentiere. Natürlich schauen wir auch in Nesseby mit der schönen alten Kirche und dem kleinen Fischerhafen vorbei.

In Ekkeroy sind die Jungvögel in der Dreizehenmöwen-Kolonie zwar schon recht weit entwickelt, aber zumindest sind sie noch da. Auch die Seeschwalben füttern noch fleißig, greifen selbst die herumlaufenden Schafe heftig an. Und - welche Gemeinheit - die ganze Zeit, die wir auf dem Werkstatthof verbracht haben, hatten wir gutes, vor allem warmes Wetter. Jetzt ist es deutlich kühler, ein paar wenige Tropfen Regen fallen auch.

Für die Ornithologen unter Euch nachfolgend in einer Bildergalerie mehr Aufnahmen aus der Vogelkolonie und zu weiteren Vögeln in Norwegen.

Seeschwalbe_Kueken_02
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Seeschwalbe_Kueken_02
Dreizehenmoewe_Altvogel_04
Dreizehenmoewe_Alt-und_Jungtier
Dreizehenmoewe_Altvogel_03
Seeschwalbe_Angriff_auf_Schaf
Dreizehenmoewe_Jungtier_02


Durch großartiges Felsenchaos gelangen wir nach Hamningberg. Wir bleiben einige Tage in der großartigen Umgebung, wandern ein wenig, genießen ganz einfach die fantastische Gegend. Fuchs und Rentiere sagen uns regelmäßig Gute Nacht.

Auch der kleine Ort, der mittlerweile sogar wieder bewohnt wird, gefällt uns gut. Aber nach einigen Tagen wird der Wind heftiger. Wir machen uns auf gleicher Strecke auf den Weg zurück. Etwas entfernt von diesem Stück Küste sind die Bedingungen dann wieder viel besser, heißt relativ windstill.

Peter fährt den MAN zwar "wie ein rohes Ei", trotzdem leuchtet die EDC von Zeit zu Zeit auf, bringt der Motor nicht die volle Leistung! Deshalb brechen wir unsere Reise vorzeitig ab, machen uns auf den Rückweg. Der MAN muss in eine vernünftige Werkstatt! Am Inarisee vorbei geht es nach Süden. Wir lassen uns Zeit - das müssen wir sowieso, denn schneller als 70 - 71 km/h können wir den Großen Wagen nicht fahren. Aber wir hören nachmittags auch früh auf, suchen immer schöne Stellplätze, schauen uns auch noch etwas an. Bei Rovaniemi überqueren wir den Polarkreis. Das Santa Claus Village ist vor lauter Kitsch fast schon wieder sehenswert.

Wir haben uns entschieden, nicht den Inlandsvägen in Schweden zurückzufahren, denn dort gibt es schon einige ganz ordentliche Steigungen - und die gehen im Moment gar nicht gut. Die Küstenstrecke E 4 scheint uns die bessere Wahl zu sein. Zudem gibt es hier etliche größere Städte, und wir hoffen darauf, dass "wir hier geholfen werden". An der Strecke ein UNESCO-Welterbe: Gammelstaden - ein altes Kirchendorf. Auch die Kirche von Bygdeå ist sehenswert.

Die Straßen sind bis auf kurze Teilstrecken gut ausgebaut, somit auch für uns mit der geringen Geschwindigkeit relativ stressfrei zu befahren, da immer wieder Überholmöglichkeiten bestehen und wir nicht zum absoluten Verkehrshindernis werden.

Die Fähre zurück können wir gegen eine Gebühr umbuchen. Die letzte Nacht verbringen wir wieder am Strand bei Malmö, bevor uns die Nils Holgersson zurück nach Deutschland bringt.



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Die Reise mit dem Frachtschiff nach Montevideo dauert mehrere Wochen. Lest, wie es uns in den ersten Wochen auf See ergangen ist.

 

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Nach der Reise

ist vor der Reise

16. Juli 2017

 

Bald geht es los auf die nächste große Reise. Die Vorbereitungen halten uns ganz schön auf Trapp.

 7. August 2017: Wir haben den Bericht ergänzt.

 

 

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