Sardinien im Mai - Sonne statt Regen

28. Mai 2017

Das schlechte Wetter zu Hause geht uns gehörig auf den Geist, und so buchen wir kurzfristig eine sehr günstige Fähre von Toulon nach Porto Torres auf Sardinien. Den Weg nach Toulon legen wir in nicht allzu großen Etappen zurück, übernachten zweimal in Frankreich an schönen und ruhigen Stellen.

 

 

Im Hafen von Toulon sind wir dann erstaunt über die vielen Fahrzeuge, die auf insgesamt drei Fährschiffe warten. Der Grund wird bald klar: In den nächsten Tagen startet die Giro d'Italia auf Sardinien, und die Begleitfahrzeuge müssen natürlich auch auf die Insel.

 

Mit Verspätung legen wir ab und erreichen am nächsten Morgen Porto Torres auf Sardinien. Hier verbringen wir nach einem Großeinkauf bei Traumwetter erst einmal einen Tag am Strand.

 

 

Die schöne Küste bei Argentiera und am Capo Mannu sind unsere nächsten Anlaufpunkte. Auch hier genießen wir die Zeit in der Sonne. Die herbstlichen Farben der Baum-Wolfsmilch jetzt im Frühjahr deuten darauf hin, dass die Pflanzen bald ihre Blätter abwerfen werden, um die heiße und trockene Sommerzeit ohne Schäden zu überstehen.

 

 

Den Lago Baratz haben wir noch nicht besucht. So legen wir diesmal dort einen Stopp ein. Die Bläss- und Teichhühner haben teilweise bereits Nachwuchs.

 

Ganz in der Nähe liegt das Capo Ferru. Es ist sehr windig, und so bleiben wir nicht hier. Deshalb heißt es heute, noch ein wenig Strecke machen, auf jeden Fall bis hinter Alghero kommen, denn dort soll morgen das Radrennen starten. Und dann wird dort sicher kein Durchkommen sein. Auch so ist es schon wuselig genug. Immerhin schaffen wir es, für die nächsten Tage auf Vorrat einzukaufen, bevor wir uns auf zum Torre di Foghe machen. Unterwegs noch ein paar Fotos von der schönen Küste südlich von Alghero mit dem Blick auf das Capo Caccia, das wir diesmal auslassen.

 

 

 

Im kleinen Ort Tinnura bewundern wir wie schon bei unserem letzten Besuch die eindrucksvollen Murales.

 

 

Es ist sehr warm, also sind auch größere Höhen sehr gut machbar. In der Ebene viele blühende und aufgrund ihrer Größe beeindruckende Riesen-Fenchel. Wir fahren hoch zum Punta Palai. Unterwegs am Waldrand Massenansammlungen von Orchideen und Alpenveilchen.

 

 

In knapp 1200 m Höhe verbringen wir bei nahezu 27 Grad Zeit im Schatten der Flaumeichen, die gerade frische Blätter bekommen. Ein Spaziergang führt uns zur Abbruchkante, von wo wir einen weiten Blick über die Ebene unter uns haben.

 

In der Nacht fängt es dann an zu regnen - das trockene Land freut sich darüber natürlich mehr als wir. Auch am nächsten Tag regnet es immer mal wieder, es hat sich deutlich abgekühlt. Den Zwangsruhetag nutzen wir beispielsweise dazu, den jetzt schon vorhandenen Bilderberg abzuarbeiten. Bei besserem Wetter wollen wir am Lago Omodeo die "Panoramastraße" SP 74 fahren. Ganz neu aufgestellte Schilder scheinen eine Sperrung der gesamten Strecke anzuzeigen. Einheimische fahren trotzdem, und so versuchen wir es auch. Es klappt, und wir können dem kleinen Kirchendorf San Serafino einen Besuch abstatten. Anschließend schauen wir uns noch die römischen Thermen von Fordongiamus an. Auch die Kirche im Ort gefällt uns gut.

 

 

Danach geht es hinauf zum Monte Arci. Die Wege und Straßen hier stellen für uns nur insofern ein Problem dar, dass sie teilweise ein wenig eng geraten sind. Leider ist es extrem windig, so bleiben wir nicht hier oben, sondern suchen uns ein etwas tiefer gelegenes, vor allem aber windgeschützteres Plätzchen in einer Pineta, wo wir dann auch noch viele blühende Pflanzen entdecken.

 

 

 

 

Am folgenden Morgen fahren wir auf die Giara di Gesturi hinauf. Der Blick von hier oben ist schon toll. Weitere Bilder gibt es leider nicht. Aus unserer geplanten Wanderung wird nichts, denn irgendwie haben wir einen ungünstigen Tag erwischt. Mehrere Busse kommen hinauf, auf dem relativ kleinen Parkplatz will man uns nicht haben. Wir werden von einer Ecke zur anderen und wieder zurück geschickt. Letztendlich fahren wir wieder. Wir sind hier oben schon mehrfach ausgiebig gewandert - also ist es nicht so tragisch. In dem Zusammenhang ein Hinweis - wundert Euch nicht, dass auf unserer Tour viele der "üblichen" Touristenziele fehlen. Wir waren schon mehrfach hier und lassen diese (und den Touristenbetrieb) ganz einfach weg.

Vorbei am Nuraghen Su Nuraxi (eine der am besten erhaltenen Groß-Nuraghen auf Sardinien - haben wir schon in früheren Jahren besucht) fahren wir wieder Richtung Küste. Unterwegs legen wir aber noch einen Stopp an einem windgeschützten Platz in einem ehemaligen Minengebiet ein, genießen die schöne Aussicht, die blühende Macchia, erhalten Besuch von einer großen Ziegenherde. Unter den üppig blühenden Zistrosen entdecken wir seltsame Blütenstände. Es handelt sich um Zistrosenwürger, parasitisch lebende Pflanzen, die selbst nicht in der Lage sind, Photosynthese zu betreiben und deshalb auf den Wurzeln ihrer Wirtspflanzen schmarotzen.

 

 

 

Endlich hat der Wind nachgelassen. Es kann wieder an die Küste gehen. Hier verbringen wir schöne Tage direkt am Meer. Zahllose Eidechsen huschen umher, in den Tamarisken zwitschern die Vögel.

 

 

Nicht allzu weit entfernt in der Nähe von Buggerru wieder ein ehemaliges Minengebiet. Auf kurzen Wanderungen bewundern wir die eindrucksvolle Küste, restaurierte Gebäude, trotz der Trockenheit blühende Blumen.

 

 

Eigentlich wollen wir noch in das ehemalige Bergbaugebiet des Iglesiente fahren. Aber unsere Starterbatterien, die wir vor gerade einmal einem Jahr in den USA angeschafft haben, wollen nicht mehr so richtig. Neue müssen her. Es ist Freitag, also schnell nach Cagliari, wo wir fündig werden. Sie sind zwar nun größer und stärker als unsere alten, aber dafür wieder "heavy duty" und besonders rüttelfest. Hoffen wir, dass sie länger halten. Zurück ins Iglesiente fahren wir nicht, sondern ins Landesinnere in etwas höhere Lagen. Bei Goni entdecken wir Felsengräber, sogenannte Domus de Janas, von denen es mehr als 1.000 auf der Insel gibt. Auch bei San Giovanni in der Nähe von Escalaplano können wir solche Gräber bewundern - ganz alleine sind wir hier unterwegs.

 

 

Der weitere Weg führt uns durch eine schöne blühende Berglandschaft. Entlang der Strecke große Mengen an freilaufenden Kühen. Immer imposanter wird die Kulisse. Ein Abstecher am Perda Corongiu führt uns auf schmaler, aber gut fahrbarer Piste weiter in diese großartige Bergwelt.

 

 

 

Zurück auf der Straße sind gelegentlich schmucke Bergdörfer zu durchfahren. Aber im Gegensatz zu den Dörfern in Spanien ist es auch für unser Fahrzeug meist ausreichend breit - also keine schweißtreibenden Ortsdurchfahrten. In der Ferne eine Ansammlung von Ruinen - da müssen wir hin. Wir bummeln durch Gairo Vecchio - einst eine größere Ortschaft, heute ein Geisterdorf, zerstört durch eine gewaltige Schlammlawine nach heftigen Unwettern.

 

 

 

Die Nuraghe Nurasolu in der Nähe von Ussassai ist selbst zwar nicht besonders eindrucksvoll, aber liegt in großartiger Landschaft. Uns faszinieren die riesigen Heuschrecken, aber auch der große Kunstrasen-Sportplatz in dieser relativen Einöde.

 

 

 

Deutlich eindrucksvoller als Nurasolu finden wir die Nuraghe Ardasai in der Nähe von Seui. Nuraghen sind prähistorische Turmbauten, von denen es auf Sardinien sehr viele gibt. Die Palisaden-Wolfsmilch steht in voller Blüte, zahllose Eidechsen huschen in den Ruinen umher.

 

 

In der Nähe bleiben wir für heute. Einige wenige blühende Pfingstrosen gibt es noch, die meisten sind bereits verblüht. Extrem viele weidende Tiere sind unterwegs - Schaf- und Ziegenherden erwartet man ja irgendwie, aber dazu kommen viele Pferde, Esel, nahezu nicht zu zählende Kühe. Der Nachwuchs rottet sich zusammen, macht viel Blödsinn - und übt auch schon einmal!

 

 

 

In der Ferne haben wir gestern bereits unser Ziel für den heutigen Tag erblickt - Monte Perda Liana, eine der eindrucksvollsten Formationen auf der Insel. Fast 1300 m hoch, der oberste Teil ist nahezu 100 m breit, die Felswände fallen 50 m senkrecht ab. Also für uns nicht zu besteigen. Aber eine Wanderung führt uns unten um den Felsen herum, was wechselnde Ausblicke auf die Formation ermöglicht. Schöne Blumen entlang des Weges, sogar Orchideen entdecken wir - obwohl wir schon mehrfach hier waren, sind wir aufs Neue begeistert.

 

 

 

 

Den Rest des Tages und die Nacht verbringen wir am Lago di Flumendosa. Danach wieder höher hinauf nach Nordosten Richtung Talana. An der Nuraghe Bau E Tanca ein kurzer Stopp. In den Eichenwäldern auf der weiteren Strecke ist die "Korkernte" in vollem Gange. Beispielsweise aus Portugal (siehe hier und hier) und aus Marokko wissen wir, dass kürzlich geschälte Stämme rot gefärbt sind. Hier sehen wir nun, dass ganz frisch geschälte zimtfarben leuchten.

 

 

 

 

Die Strecke hinunter zur Küste ist sehr schön, aber auch sehr stark befahren. Viele Touristen sind unterwegs. Teilweise werden wir mit unserem MAN in halsbrecherischen Manövern überholt. Nichts wie weg. Die felsige Küste im Bereich des Capo Comino gefällt uns wie immer sehr gut.

 

 

Noch besser finden wir aber "unseren" Traumstrand. Die Piste ist diesmal in recht gutem Zustand, teilweise sehr eng zugewachsen. Das gibt zahlreiche neue Kratzer, aber das ist es uns wert. Hier verbringen wir herrliche Tage. Hinter den Büschen verstecken klappt mit einem Fahrzeug dieser Größe nur bedingt! In drei Richtungen geht es, aber die vierte ist offen. Hier helfen unsere Tarnnetze; sie geben einerseits Schatten, machen uns andererseits auch weniger sichtbar.

 

 

Riesige Seegrasbälle liegen am Strand herum, die Stranddisteln blühen leider noch nicht. Auch die Kühe haben den Weg hierher gefunden und scheinen den weißen Sand zu genießen.

 

 

Zum Wochenende verlassen wir unser Paradies. Über Siniscola geht es hinauf zum Monte Albo, ein etwa 20 km langes Kalksteinmassiv.

 

 

Nicht weit entfernt vom fotogenen Ort Budduso eine weitere Nuraghe: Loelle. Wir sind ein wenig erschrocken über die Schäden an den Stein- und Korkeichenwäldern. In der Umgebung muss ein heftiger Sturm getobt haben. Viele Äste, sogar dicke Stämme sind abgeknickt und vertrocknet. Die Nuraghe selbst ist hiervon aber nicht berührt. Hier lernen wir zwei sehr nette Reisende kennen, Elaine und Walter mit ihrem James Cook.

 

 

 

Am Lago di Liscia quert eine Schildkröte unseren Weg. Uns zieht es noch einmal in die Berge. Den Monte Limbara lassen wir diesmal aus. Am Wochenende wird dort viel Verkehr sein. Im Bereich des Passo de Limbara ist das deutlich besser - und von hier haben wir einerseits einen schönen Blick auf den Limbara, andererseits auf die Bucht von Olbia.

 

 

 

Zum Ende unserer Tour lockt uns noch einmal die Küste am Capo Comino. Von hier ist Golfo Aranci, von wo wir abfahren werden, relativ flott zu erreichen.

 

 

Wir verlassen die Insel. Die Fähre legt am Nachmittag ab, so dass wir noch einige Zeit schöne Aussichten auf die Küste von Sardinien genießen können. Ein Zwischenstopp der Mega Andrea in Portovecchio führt uns, wenn auch nur kurz, noch nach Korsika. Ein schöner Sonnenuntergang ist ein gelungener Abschluss unserer Reise.

 

 

 

Hier geht es zu unserem Bericht über die Sardinien-Reise im Herbst 2011. 

 

 

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