Faszinierende Tierwelt an den Küsten Patagoniens

16. Oktober 2017

Nach etlichen Tagen Aufenthalt in der Bucht der Wale verlassen die Reserva Faunistica Peninsula Valdés, aber so ganz können wir uns doch noch nicht von den Giganten verabschieden. Wir bleiben noch einmal am Golfo Nuevo, wo wir einerseits wieder Wale beobachten können, andererseits unsere während der Fahrt in unserer "Waschtrommel" durchgewalkte Wäsche in Sonne und Wind ausspülen und trocknen können. Danach soll es nach Puerto Madryn gehen, aber noch einmal bleiben wir hängen. Tina und Werner stehen am Playa Canteras - Gelegenheit den deutschen Feiertag am 3. Oktober gemeinsam zu verbringen. Die kleinen wilden Cuis (Meerschweinchen) wuseln überall umher, bringen einen aber fast zur Verzweiflung beim Versuch ein Foto zu erhaschen. Der Walkadaver wird weiterhin von den Riesen-Sturmvögeln als Futterquelle genutzt und hat schon heftig an Substanz verloren.

 

 

Auf dem Weg zum Großeinkauf in Puerto Madryn schöne Blümchen, außerdem eine wenig scheue Kanincheneule.

Im Ort schaffen wir es endlich, unsere bereits in Zarate gekauften und aktivierten SIMs zu registrieren. Dies kann man als Ausländer nicht online erledigen, sondern muss dazu einen offiziellen Claro-Agenten aufsuchen. Dort geht das ganz fix. Nun sind wir stolze Besitzer einer argentinischen Telefonnummer - wenn man Netz hat, funktioniert das auch ganz gut. Die Karte für das Internet können wir zwar prinzipiell auch nutzen, wenn mal Netz vorhanden ist, aber die Geschwindigkeit ist mit 2G so gering, dass selbst Mails holen zur Geduldsprobe wird.

Weit fahren wir heute nicht mehr. Bei Trelew erste Anzeichen unseres nächsten Ziels - ein Dinosaurier. Aber zuerst geht es an den Strand bei Rawson, wo wir die Nacht verbringen und schöne Blumen im Sand entdecken. Am nächsten Morgen fahren wir zurück nach Trelew. Das MEF (Museo Paleontológico Egidio Feruglio) steht auf dem Programm. Reiseführer sagen dem paläontologischen Museum nach, eins der weltbesten zu sein. Ob das stimmt, sei dahingestellt - es ist recht klein, aber durchaus interessant. Wenn Euch weitere solche Ausstellungen interessieren, so schaut einfach mal hier beim Royal Tyrrell Museum in Alberta, Canada nach.

 

 

Danach ist wieder Natur angesagt. Auf breiter, staubiger Schotterstraße bewegen wir uns in südliche Richtung zur Playa Escondida. Die Landschaft ist wie üblich eintönig, am Straßenrand ab und an kleine, meist knallig rote Gedenkstätten, die ein wenig Farbe ins Grün-Grau bringen.

Am Strand von Escondida haben wir die Gelegenheit, See-Elefanten ausgiebig und ganz aus der Nähe zu beobachten. Zwei größere Gruppen liegen am Strand herum. Die Männchen sind wahre Kolosse. Wir entdecken viele Weibchen mit Jungtieren unterschiedlichen Alters. Bei einem sehen wir noch Reste der Nabelschnur, es kann also noch nicht lange auf der Welt sein. Die Neugeborenen erkennt man an ihrem schwarzen Fell.

 

 

 

 

Der Größenunterschied zwischen dem männlichen Bullen und den weiblichen Tieren in seinem um ihn versammelten Harem ist gewaltig. Häufig können wir Paarungen beobachten. Ansonsten liegt man relativ inaktiv am Kiesstrand herum.

 

Jüngere Bullen nähern sich immer wieder in der Hoffnung, auch eine Paarungsmöglichkeit zu finden. Ein Aufrichten des Herdenbesitzers verbunden mit lautem Röhren, das durch die rüsselartig verlängerte Nase noch verstärkt wird, reicht in der Regel aus, dass der Konkurrent das Weite sucht. Aber die zahlreichen Narben zeugen davon, dass sich die Männchen teilweise auch heftige Kämpfe bis aufs Blut liefern, um Herr über einen Harem sein zu können.

 

 

Wieder beobachten wir einen Bullen, der ein Weibchen zur Paarung "zwingen" will. Diese wehrt sich aber heftig, ist überhaupt nicht geneigt, den Versuchen stattzugeben. Den Grund erkennen wir ein wenig später. Sie liegt in den Wehen und bringt ein Junges zur Welt.

Spannend ist es, die erste Kontaktaufnahme zwischen Mutter und Kind zu beobachten, bald wird das Kleine zum ersten Mal gesäugt.

 

 

Die Möwen liegen seit Beginn der Geburt auf der Lauer, für sie ist die Nachgeburt ein wahres Schlachtfest.

Schon einen Tag später versucht der Bulle bei der Mutter erneut sein Glück - kaum zu glauben. Übrigens können wir während unseres Aufenthaltes eine weitere Geburt beobachten. Welch ein Erlebnis! Wie schade, dass weiter oben an diesem schönen Strand so viel Abfall herumliegt.

 

Weiter geht es nach Süden zum Cabo dos Bahias. Unterwegs in der Einöde der Pampa wenigstens einige interessante Pflanzen. Im Schutzgebiet am Cabo darf man nicht übernachten, aber das ist kein Problem. Außerhalb gibt es zahlreiche Möglichkeiten, wo es auch schon so einiges zu sehen gibt.

 

 

 

Aber natürlich ist unser eigentliches Anliegen das Schutzgebiet. Morgens früh starten wir und erreichen bald die Pingüinera. Ein angelegter erhöhter Plankenpfad führt uns zu den Magellan-Pinguinen. Hier sind viel mehr dieser Vögel als auf der Valdés-Halbinsel, etliche tausend haben in der Kolonie ihre Bruthöhlen. Es herrscht ein ständiges "Trompeten", ganz schön viel Lärm machen die Viecher.

 

 

An vielen Bruthöhlen wird heftig gearbeitet - aufsteigender Staub verrät die "Renovierungsarbeiten". Zwischen den Höhlen und dem Wasser herrscht ein heftiger Hin- und Rückverkehr - Gelegenheit für ein Bad.

 

 

Viele Vögel sehen wir mit Nistmaterial ihrem Nistplatz zustreben. Auch Paarungen sind zu beobachten. Wir sind froh, diesem Gebiet den Vorzug vor Punta Tombo gegeben zu haben. Zwar sind es nicht ganz so viele Tiere wie dort, aber es ist kein Eintritt fällig, und vor allem sind wir mehrere Stunden ganz allein in der Brutkolonie unterwegs.

Aber das Schutzgebiet hat noch mehr zu bieten. In der Pinguinkolonie fallen uns die vielen rot-schwarzen Soldatenstärlinge auf. Die zahlreichen Guanakos sind deutlich weniger scheu als wir das bisher kennengelernt haben. Für die Nandus trifft das leider nicht zu. Es sind viele unterwegs, die aber immer, wenn wir uns nähern, blitzschnell davonrennen. Darüber hinaus haben wir die Gelegenheit, Gürteltiere zu sehen.

 

 

 

 

Wir bleiben noch einen weiteren Tag außerhalb des Schutzgebietes, bevor wir weiter nach Süden fahren. Auf der Weiterfahrt nach Comodoro an einem kleinen See an der Schotterstraße Ruta Provincial 1 die ersten Flamingos und Coscoroba-Schwäne.

In Comodoro dann wieder einmal Gelegenheit zum Großeinkauf. Danach geht es auf grottenschlechter, schlaglochübersäter und mit extremen Spurrillen versehener RN 3 in südliche Richtung, diesmal aber zumindest einmal durch interessantere Landschaft. Etwa 30 km entfernt der Stadt finden wir einen guten Platz für die Nacht. Am Ufer tummeln sich die Austernfischer sowie Dampfschiffenten.

 

 

Das Hinterland ist deutlich als Erdölgebiet zu erkennen. Eigentlich hatte man hier nach Wasser bohren wollen, dabei aber reiche Erdölvorkommen gefunden. Am Strand bei Caleta Olivia liegt eine größere Gruppe Seelöwen.

 

Wieder verlassen wir die RN 3 - Gottseidank, denn durch die teilweise heftigen Spurrillen und die vielen LKW macht das Fahren dort nicht unbedingt Spaß. Über die 281 geht es durch die übliche öde Pampalandschaft nach Puerto Deseado. Die Warnschilder vor dem patagonischen Wind sollte man durchaus ernst nehmen. Die wenigen Bäume zeigen deutlich die Heftigkeit sowie die vorherrschende Windrichtung.

 

Kurz bevor wir die Küste erreichen führt uns ein Abstecher nach Lourdes - nein, wir sind nicht im falschen Film, hier gibt es eine Gruta de Lourdes. Die religiöse Anlage ist durchaus eindrucksvoll, wobei die Gedenkstätte am Wegesrand mindestens genauso schön ist.

 

 

Von Puerto Deseado starten zwei interessante Ausflüge mit dem Boot: eine Fahrt in die Reserva Natural Provincial Ría Deseado - eine überaus vogelreiche Trichtermündung sowie eine längere Tour hinaus zur Isla Pingüino, dem nördlichsten Nistplatz für Felsenpinguine. Wir fragen bei Darwin Expeditions nach. Touren hinaus auf die Insel gibt es im Moment noch nicht, da sind wir leicht zu früh. Schade - die Rockhopper hätten wir schon gerne einmal in natura gesehen. Aber wir können eine Fahrt in das Mündungsgebiet machen.

Mit einem stabilen Schlauchboot geht es bei optimalem Wetter los. Es ist kaum Wind, die Sonne scheint - ideale Bedingungen. Roxana, die die Tour als "Guide" begleitet, kennt sich sehr gut aus und erklärt die Besonderheiten des Schutzgebietes und seiner Bewohner wechselnd auf Spanisch und Englisch. Wir haben Glück und können die kleinen schwarz-weißen Commerson-Delfine beobachten. Fotos gelingen leider nicht. Auf einem Inselchen brüten zahlreiche Südamerikanische Seeschwalben.

 

 

Eine größere Felseninsel beherbergt etliche Seelöwen. Wir kommen ganz nah heran, können hier auch die Weißgesicht-Scheidenschnäbel, die eigentlich Vögel der Antarktis sind, aus der Nähe beobachten.

 

 

 

Angetan haben es uns die Brutkolonien der Kormorane am Barranca de los Cormoranes. Gefallen uns schon die Felsenscharben gut, so haben es uns doch die Buntscharben besonders angetan.

 

 

 

Südamerikanische Austernfischer und Dominikanermöwen sind in großer Zahl zu sehen. Ungewöhnliche graue Möwen - die Blutschnabelmöwen - fallen uns auf. Sie wuseln wie die Scheidenschnäbel bei den Seelöwen herum in der Hoffnung, etwas Nahrhaftes zu ergattern.

 

 

Später legen wir auf einer Pinguininsel an. Hier brüten neben zahlreichen Möwen und Kormoranen viele tausend Magellan-Pinguine. Auch Austernfischer sehen wir in großer Zahl. Das Gelände ist anders als an der Cabo dos Bahias: Es gibt viele Büsche, unter denen die Vögel ihre Höhlen angelegt haben. Hier ist nichts eingezäunt, aber Roxana achtet darauf, dass die Gruppe beisammen bleibt und die Regel, die Tiere nicht zu stören, beachtet.

 

 

 

 

Trotzdem kommen wir nah an die Bruthöhlen und die Pinguine heran, können sogar zwei Nester mit Eiern entdecken.

 

 

Zum Abschluss fahren wir noch in einen Canyon hinein - dieser Abstecher ist nur möglich, wenn Flut herrscht, da ansonsten der Wasserstand - wie wir später sehen werden - auf keinen Fall mehr ausreicht. Hier entdecken wir noch Nachtreiher. Eine zwar teure, aber dennoch lohnende Tour!

 

In der Umgebung finden wir einen Platz direkt am Meer, bleiben noch etwas hier in der Gegend, unternehmen kurze Fahrten über Pisten in das Schutzgebiet hinein. Wir durchfahren eindrucksvolle Canyons. Von oben können wir auch in den Canyon hineinschauen, in den wir mit dem Boot hineingefahren sind. Jetzt ist Ebbe, eher könnten wir nun mit dem MAN hineinfahren als mit dem Boot. Wir entdecken Blumen, Magellan-Uhus und unsere erste Orchidee in Südamerika. Ein Sonnenuntergang ist der gelungene Abschluss dieses schönen Abstechers.

 

 

 

 

 

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Aktuelles

 

 

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Chile 2:

Fin de Camino

23. November 2017

 

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05. November 2017

 

Nach so viel Pampa ist die fantastische Bergwelt im Los Glaciares Nationalpark ein absolutes Kontrastprogramm.

 

 

 

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