Florida Teil 2 - viel Wildlife, etwas Technik

04. Dezember 2015

Nach unserer "Flucht" aus dem südlichen Teil des Everglades Nationalparks halten wir uns noch einige Tage im Big Cypress National Preserve auf. Wir finden einen versteckt liegenden kleinen Campground, der (noch) kostenlos ist. Alle anderen hier im Gebiet, die früher kostenlos waren oder nur eine geringe Gebühr nahmen, kosten mittlerweile richtig viel Dollar, für das, was sie bieten, eigentlich zu viel. Aber wir verbringen auf unserem schönen Platz ruhige, ungestörte Tage und Nächte. Unsere Feuerstelle ist beliebter Aufenthaltsort für zahlreiche Eidechsen, so verzichten wir auf ein Lagerfeuer. Für ein Feuer ist es außerdem sowieso immer noch viel zu heiß und schwül.

Von hier aus fahren wir ein Stück zurück zum Shark Valley, das zum Everglades Nationalpark gehört. Schon kurz vor der Öffnungszeit stehen wir vor der Schranke, heute ist Veterans Day, da wird es später sehr voll werden. Aber jetzt ist quasi noch nichts los. Wir mieten uns Fahrräder. Diese sind leider in keinem besonders guten Zustand - hätten wir doch nur wie die letzten beiden Male in Amerika unsere Mountainbikes dabei! Damals haben wir sie nur wenig genutzt, jetzt hätten wir sie schon mehrfach gut einsetzen können. Aber das lässt sich jetzt halt nicht mehr ändern. Entlang des Kanals sind zahlreiche Tiere zu beobachten. Leider liegen keine Alligatoren am Wegesrand - wie wir es von einem Besuch vor mehr als 20 Jahren in Erinnerung haben. Aber versteckt unter Bäumen entdecken wir im Wasser eine Alligator-Mutter mit ihren zahlreichen Jungen.


Wieder im Big Cypress fahren wir die Scenic Loop Road. Die Rangerin im Shark Valley hatte zwar gemeint, wir dürften wohl zu hoch sein für die Durchfahrt, aber wir wissen, dass die Amerikaner uns immer für sehr groß halten. Also wollen wir es probieren, gegebenenfalls umdrehen. Wir stellen dann fest - kein Problem! Und wir sind im Nachhinein froh, dass wir diese landschaftlich schöne Strecke nicht verpasst haben, zumal wir auch zahlreiche Vögel zu sehen bekommen.

Wir finden einen freien Stellplatz an einer weiteren gravel road im Gebiet. Die Landschaft gefällt uns ganz gut, direkt am Platz können wir zahlreiche Tierbeobachtungen machen. Abends erleben wir einen schönen Sonnenuntergang. Wäre es doch nur überall in Florida so!


Aber nun steht wieder ein Wochenende an. Einen akzeptablen freien Platz finden wir leider nicht, alle State Parks in halbwegs erreichbarer Nähe sind ausgebucht - eine Seuche, dass man inzwischen nahezu alle Plätze reservieren kann. Somit wird spontanes Reisen erheblich erschwert. Und so landen wir auf einem sauteuren privaten Campground auf Sanibel Island. Für die Brücke hinüber zur Insel bezahlen wir 6 Dollar Maut. Wir sind erschrocken, wie viel Verkehr es hier hat. Eine Blechlawine bewegt sich auf der Straße, die über die Insel nach Captiva Island führt. Außerdem ist alles zugebabelt, soll heißen zugebaut. An den Strand kommt man nur an ganz wenigen Stellen, wenn man denn das Glück hat, einen Platz auf einem der wenigen Bezahlparkplätze zu ergattern. Wir laufen vom Campground bis an den Strand, um ihn wenigstens einmal zu sehen. Ganz nett, aber umwerfend finden wir ihn nicht. Da kennen wir viel schönere! Am Strand und auf dem Campground aber zumindest noch einige Vögel.

Allerdings gefallen uns die Briefkästen hier an den Villen teilweise ausgesprochen gut. Der Shop "She sells sea shells" verkauft allen Kitsch, den man mit und aus Muscheln herstellen kann. Der Weihnachtsschmuck aus Muscheln ist eigentlich fast schon wieder schön. Wir nutzen die Gelegenheit, abends in einem Restaurant gegenüber vom Campground Seafood zu essen.


Außerdem fahren wir ins Ding Darling National Wildlife Refuge. Auch hier viel Betrieb, Auto um Auto bewegt sich auf der Einbahnstraße durch das Schutzgebiet. So viel zu sehen wie in den anderen Refuges, die wir hier in Florida besucht haben, ist nicht. Aber zumindest gelingt es uns, einige fotogene Alligatoren abzulichten. Ach übrigens, am Freitag ist das Gebiet geschlossen, um den Tieren einen Ruhetag zu gönnen! Das sagt doch eigentlich alles über den Betrieb hier aus.


Das Wochenende ist vorüber, wir fahren zum Myakka River State Park. Entgegen unserer Erwartung sind die Campgrounds im Park trotzdem sehr gut belegt, aber wir kriegen noch einen recht brauchbaren Platz. Mittlerweile ist es nicht mehr ganz so heiß - Gottseidank! Die Landschaft in diesem State Park gefällt uns ausgesprochen gut. Die Bäume sind über und über mit Spanish Moss behangen und haben dadurch ein fast unwirkliches Aussehen.


Wir gehen natürlich auch den Nature Trail und den Canopy Trail; eine Hängebrücke ermöglicht es in Baumwipfelhöhe das Gebiet aus einer ganz anderen Perspektive zu betrachten. Viele sogenannte Airplants sind hier oben zu sehen, der Blick über die Palmenwälder ist ebenfalls sehr schön.

Aber absolut beeindruckend sind die unzähligen Geier, die sich im Bereich des Myakka-Sees aufhalten. Die Tiere kommen hier in solch unvorstellbaren Mengen vor, dass sie regelrecht zur Plage werden, anscheinend richten sie auch gerne einmal Schäden an Fahrzeugen an. Sie scheinen Gummi zu mögen. Mehrmals täglich versucht man, sie mit Kanonenböllern zu verjagen, aber der Erfolg ist immer nur ein sehr kurzfristiger. Wir auf jeden Fall freuen uns, diese großen Vögel so aus der Nähe betrachten zu können. Schaut man genau hin, so entdeckt man zwischen den vielen Rabengeiern auch schon einmal Truthahngeier.


Außerdem gibt es viele weitere Vögel zu sehen, Schildkröten, auch etliche stattliche Alligatoren sind zu beobachten.

Weiter geht es in nördliche Richtung. Die Fahrt über die Interstate ist echt nervig, besonders die Trucker brettern wie die Verrückten, nehmen auch in den zahlreichen Baustellen den Fuß nicht vom Gaspedal, selbst dann nicht, wenn die Fahrspuren verengt sind. Ein kurzer Abstecher führt uns zur Tampa Electric Company. Hier soll es eine der besten Manatee Beobachtungsmöglichkeiten geben. Und tatsächlich kriegen wir die großen Seekühe zu sehen, wenn auch etwas undeutlich, denn leider ist es windig und das Wasser deshalb unruhig.

Im Manatee Springs State Park soll es die Tiere auch geben. Hier auf dem Campground ist ausnahmsweise einmal wenig Betrieb, und wir können uns einen der großzügigen Plätze aussuchen. Manatees gibt es im Moment nicht, man erklärt uns, dass die Tiere erst kommen, wenn die Temperaturen sinken. Da sie eine höhere Wassertemperatur benötigen, suchen sie dann die warmen Quellgewässer auf. Und das ist jetzt bedingt durch das ungewöhnlich warme Wetter für diese Jahreszeit noch nicht der Fall. Zahlreiche Besucher schwimmen und tauchen hier. Uns animiert die Quelle allerdings nicht zu einem Bad, sehen wir doch auf den Sträuchern rundherum zahlreiche Schlangen - man muss allerdings teilweise genau hinschauen, um die Tiere zu entdecken.


Direkt an unserem Platz dann wieder Gelegenheit zur Tierbeobachtung. Besonders angetan sind wir vom Gürteltier, das regelmäßig auf Nahrungssuche den Boden um uns herum absucht. Ob es Christine gar nicht gesehen hat? Den Moment, in dem es seine Nase an Christines Füße hielt, hat der Fotograf leider nicht festgehalten.


Nachts dann heftiger Regen, der auch morgens noch anhält. Ein kurzer Besuch im St. Mark's National Wildlife Refuge bringt deshalb leider nicht viel. In einem National Forest finden wir eine kleine Recreation Site mit einigen wenigen kostenlosen Stellplätzen. Hier bleiben wir für heute und hoffen, dass morgen das Wetter wieder besser wird.


Trotz Wochenende erhalten wir erstaunlicherweise noch einen Platz im St. Joseph State Park an der Küste. Dieser Park gefällt uns wirklich gut, er liegt direkt hinter den Dünen und dem schneeweißen Sandstrand. Das Wetter ist gut, die Temperaturen erträglich warm. Bei unseren Spaziergängen sehen wir mehrmals Weißkopfseeadler (leider keine Fotos), aber die Watvögel lassen sich gut ablichten. Außerdem unzählige Pelikane und Kormorane.



Direkt am Stellplatz viele Schmetterlinge, Squirrel und Vögel. Einen davon, den Catbird, haben wir bisher noch nie so richtig gesehen. Die Vögel sind sehr scheu, gehört haben wir sie schon oft. Der Name kommt wohl zustande aufgrund des Rufs, anfangs haben wir immer gedacht, das Maunzen einer Katze zu hören.


Am späten Nachmittag trifft dann leider eine Horde ein, die sich an keinerlei Regeln hält, den Platz mit deutlich mehr Personen belegt als erlaubt und Party feiert. Laute Musik, Lichtorgeln, Gekreische. Super! Der Campground Host ist direkt neben uns - er unternimmt nichts. Niemand unternimmt etwas. Wir sitzen draußen, trinken dagegen an, da an Schlaf nicht zu denken ist. Irgendwann ist dann Ruhe. Am nächsten Tag wechseln mehrere Parteien den Platz, aber keiner nennt den wahren Grund. Wir sind anscheinend die einzigen, die sich beim State Park Personal über den Krach beschweren. Und dann sagt man uns, warum wir denn nicht angerufen hätten, wenn die um 23 Uhr nicht Ruhe gegeben haben. Hä??? Also bis 23 Uhr ist so etwas erlaubt, das kann doch wohl nicht wahr sein! Auf jeden Fall erhalten wir einen anderen Platz weit entfernt - hier herrscht Ruhe. Florida und Wochenende - das passt gar nicht zusammen!!!


Die Weiterfahrt zeigt nochmals deutlich, wie zugebaut die ganze Küste ist. Unser Ding ist das nicht! Aber nach meilenlanger Pistenfahrt, auf der wir sogar einen Bären sehen, finden wir einen kleinen kostenlosen Campground in attraktiver Lage - allein, so einfach bleiben darf man hier nicht. Es ist ein Permit erforderlich. Das kann man telefonisch einholen, aber nicht am Wochenende. Dann geht es nur online. Internet haben wir hier nicht. Wir bleiben trotzdem, sehen interessante Vögel, erleben einen sehenswerten Sonnenuntergang. Am frühen Abend dann die Kontrolle, die hier anscheinend mehrfach täglich erfolgt. Angetan vom Großen Wagen versucht die Rangerin uns online einzubuchen. Aber das klappt nicht. Letztlich meint sie, wir sollen bleiben, aber den Platz wechseln, da unserer reserviert ist - auch hier also die nervige Reserviererei!!! Sie würde eine Mail an die Behörde schicken, dass wir dort seien, damit wir bei der nächsten Kontrolle keine Probleme haben. Warum eigentlich so kompliziert - Selbstregistrierung mit first come first served wäre wohl zu einfach?


Am nächsten Morgen starten wir früh, wir wollen ins Museum of Naval Aviation in Pensacola. Nach einer kurzen Passkontrolle am Eingang der Navy Base dürfen wir aufs Gelände. Das Museum ist ganz nett, aber nicht so toll wie wir nach den Beschreibungen erwartet haben.

Die Tramtour zu den Großflugzeugen ist eher langweilig, aber faszinierend ist der Western Bluebird, der hier eigentlich nicht vorkommen sollte. Ob das der Grund ist, dass er wie magisch angezogen immer wieder in den Spiegel der Tram hineinschaut - und einen Gefährten sieht???


Auf dem Gelände gibt es auch noch alte Forts, wie beispielsweise das Fort Barrancas.

Letzte Station in Florida ist der Big Lagoon State Park - hier ist mal richtig wenig los. Dann geht es entlang der völlig zugebabelten Küste mit zunehmender Weihnachtsdekoration Richtung Mississippi. Wir tanken zu einem recht günstigen Preis - später in Mississippi hätten wir allerdings noch deutlich preiswerter tanken können!

Unser Fazit zu Florida:

Es war für die eigentlich "kalte" Jahreszeit sehr viel zu heiß, auch nachts kühlte es nicht ab - das ist natürlich Pech. Nicht gefallen hat uns, dass die komplette Küste nahezu zugebaut ist. Außerdem herrschte entgegen allem, was wir vorher gehört und gelesen haben, sehr viel Betrieb. Offensichtlich kommen die Überwinterer in immer größer werdender Zahl und immer früher der Wärme wegen nach Florida.

Aber natürlich gab es auch Positives. Die Möglichkeit zu Tierbeobachtungen sind teilweise wirklich hervorragend, wir haben viele schöne Stunden mit Beobachten und Fotografieren verbracht. Absolut beeindruckend fanden wir das Kennedy Space Center, so dass sich insgesamt der Weg hierher gelohnt hat. Aber nun freuen wir uns sehr auf den Westen!


Weiter geht es mit Mittlere Golfküste - Alabama, Mississippi, Louisiana


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